Ich verstehe, warum so viele die Motoren ihrer Unimat-Drehbänke austauschen.

Die Dinger sind von der schlechten Verfügbarkeit von Ersatzteilen und einer gewissen Neigung zur Selbstzerstörung nach langer Betriebsdauer (Stichworte “Isolationswiderstand”, “Kohlenstaub” und “geschlossenes Gehäuse”) abgesehen schlicht und einfach
lästig – sie nötigen den Benutzer zu regelmäßigen Zwangspausen, weil einst der Entwickler eine zu schwache Kühlung verbrochen hat. Mein Motor mit seinem vorderen vom Vorbesitzer nicht besonders intelligent ausgetauschten Lager fordert das sogar noch nachdrücklicher. Motor zu warm – Lager rutscht im Lagersitz durch.

Ein freundlicher Mensch aus dem tiefsten Süden hat das erkannt und verkauft einige Austauschantriebe in der Luxusversion. Kein Allstrommotor mit seiner miesen Drehzahl-/-momentkurve und je nach Ausführung nicht vorhandenen Regelbarkeit. Nein, das ganze besteht aus einem kleinen Asynchronmotor mit auf die Unimat angepaßtem Flansch und einem dazu passenden 250W-Frequenzumrichterchen. Beides zusammen für zwei grüne Scheine. Die (nur in England erhältlichen) geregelten DC-Motoren kosten deutlich mehr.

Gesehen, noch etwas runtergehandelt, gekauft.

Eine Weile später kommt das Paket an. Toller Motor. Nur wo krieg ich jetzt den Umrichter unter?

Einfach auf den Tisch legen geht nicht, bekanntermaßen produzieren die Teile Störstrahlung wie Teufel – von den Netzspannung führenden Schraubklemmen auf der Unterseite mal ganz abgesehen. Die Anleitung weist freundlich darauf hin, daß man das Gerät doch bitte in einen metallenen und geerdeten Schaltschrank montieren möge und das Verbindungskabel zum Motor mit beidseitig aufgelegter Schirmung auszuführen sei. Das Kabel stellt kein Problem dar – der Gedanke an einen Schaltschrank dagegen… selbst die kleinsten, die man findet, kosten über 50 Eier und sind doppelt so groß wie ganze Drehbank. Soll man die Emco dann auf den Schaltschrank draufschrauben oder was?

Nein, ich mag die Granit-Grundplatte vom Friedhofssteinmetz. Also was anderes gesucht…

… und hier kommt dieses Ding ins Spiel:

Compumaster

Eine alte USV, irgendwann in den 90ern mal unter dem Namen der damals schon dahingeschiedenen AEG verkümmelt.

Die ist in allen Richtungen nur wenige Zentimeter größer als der Frequenzumrichter. Keiner will die Dinger mehr, man kriegt sie für einstellige Beträge. Also her damit.

Die Kiste ist nach dem Auseinanderrupfen eine positive Überraschung: Alles geschraubt, ein schönes Blechgehäuse. Und wenn man den Bedienelementen Platz schafft, paßt der Umrichter präzise rein.

Leider hat der Meister im Eifer des Gefechts völlig die Bilder vergessen. Daher hier nur die Details der Bearbeitung als Liste:

  • zerlegen
  • Schalter, möglichst klein und flach bauendes Poti, Knopf, geschirmtes Kabel und passenden vierpoligen Kabelstecker nebst abgewinkelter Flanschbuchse beim Elektronikömmel des Vertrauens bestellen (meiner war in diesem Fall das blaugelbe C aus Hirschau)
  • Loch in Frontblende machen
  • Die Befestigungsösen oben und unten am FU kürzen, damit sie nicht im Weg sind
  • Poti ganz unten in Frontblende einbauen
  • Loch in Halteblech von Frontplatte machen
  • Loch für Schalter in Oberseite von Gehäusedeckel machen
  • viele kleine Löcher unten in die hintere Klappe für Frischluftzufuhr machen
  • Zwischenblech durchsägen und passend neu biegen (dient als Stabilisierung des Gehäuses, hält den FU von hinten fest und dient als zusätzlicher Schirm zwischen dem Stecker für den Motor und dem Hauptschalter)
  • alles verkabeln (Kabel vom 220V-Stecker zum FU verdrillen) und zusammenbauen
  • obere Gehäusehälfte von unterer Gehäusehälfte mit einigen Schaumstoffstreifen trennen, damit der Ventilator im Frequenzumrichter auch wirklich frische Luft ansaugt und die warme rausbläst.

FU_offen

Ist doch ganz einfach 🙂

Fazit nach den ersten Versuchen: Es lohnt sich. Ganz ehrlich, zwischen dem alten und dem neuen Motor liegen Welten.

FU_zu

Bei Gelegenheit wird nach einer zweiten Motorhalteplatte gesucht, dann kommt der alte Motor fest an den Fräskopf.

Ergänzung 1: bei der originalen Halteplatte geht wegen des größeren Gehäusedurchmessers vom Motor wertvoller Drehdurchmesser verloren. Deswegen hat der Motor nun eine angepaßte Halteplatte. Zusammen mit einem zweiten Deckel für den Riemenantrieb sieht man das gar nicht mehr – aber ich habe fast den originalen Abstand wieder 🙂

Ergänzung 2: Weil immer wieder mal jemand nachfragt: Den Motor hat der Meister von privat erstanden, ich kann also leider keine Bezugsquellen dafür nennen. Der geneigte Habenwoller suche am besten bei den einschlägigen Auktionshäusern oder in irgendwelchen Kleinanzeigenseiten. Wer den ursprünglichen Drehdurchmesser erhalten will, muß dann aber noch die Motorhalteplatte umdesignen.
Falls jemand bei der Sache Hilfe braucht (seien es nun beispielsweise technische Daten, Hilfe beim Finden des Motors, weil er Konstruktionsunterlagen für die angepaßte Motorhalteplatte oder gleich die komplette Platte im Auftrag besorgt haben will, oder weil er bei der Verkabelung die Fahnen streckt, …):
Ich benötige jemanden, der Zugang zu einer normal großen, präzisen Dreh-/Fräsmaschine hat, die besseren Stahl verarbeiten kann, und mir nach Zeichnung Teile aus Stahl bzw. Grauguß für einen besseren Oberschlitten schnitzen kann (konkret gehts um die Schwalbenschwanzführung, eine Gewindestange, und um eine Gewindebuchse aus C45 oder besser).
Eine Hand wäscht die andere…