Hier schrob der Meister, daß er nach Jahren rausgefunden hat, was er da eigentlich einst beim Bekannnten im Schrott des Vaters gefunden hatte: einer der Kolbenfüller mit der aufwendigsten je hergestellten Füllmechanik. Ein trickreicher Mechanismus, mit Drehknopf 15 Teile, der Großteil davon aus massivem Messing gedreht und gefräst.

Soennecken spielte damals in der Königsklasse der Schreibgerätehersteller.
Und das hat ein Ingenieur gemacht, den man einfach hat machen lassen, ohne daß der Buchhalter nebendran was von zu hohen Kosten gefaselt hat.
Allein mit der Teileanzahl baut man heute wenigstens drei komplette Kugelschreiber – und der komplette Rest (z.B. Feder, Kappe, Korpus) ist dabei noch nicht mal mitgezählt.

Seltene Stücke – wenigstens dann, wenn man nicht verrückt genug ist, solch ein Gerät einem Händler für dreistellige Beträge abzukaufen. Andererseits hatte ich niemals wieder einen Füller in der Hand (und ich hatte so einige), mit dem es sich so angenehm schreiben ließ.

Dank Bucht und viel Geduld haben inzwischen zwei Exemplare der Serie ihren Weg zu mir gefunden, beide (wie bei dem Alter zu erwarten) mit einer nicht mehr einsatzfähigen (Kork-)Kolbendichtung.

Ein freundlicher Mensch, im Internet aufgetan, bot mir an, für einen niedrigen dreistelligen Betrag die Dichtung zu ersetzen. Das sei ja ganz kompliziert, und da müsse man den Füller innen ausdrehen und überhaupt sei das handgestreichelter Kork, von italienischen Jungfrauen bei Mondenschein… blah, Du mich auch.

Das mache ich selber billiger – und dauerhafter.

Erst mal den Füller zerlegen. Da sind die alten Dinger dankbar, man kann den ganzen Mechanismus einfach rausschrauben – wenn man erst mal auf den Trick mit den Zahnstochern gekommen ist:

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Und schon hat man den Clickmechanismus mit Kolben in den Fingern.

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Messing und… ich tippe auf gedrehtes Ebonit. Wenn man den Ring links abschraubt, kann man den alten Korken einfach rausziehen.

Wenn wir nun schon so weit sind, kriegt der Clickmechanismus nach knapp 60 Jahren auch mal eine kleine Auffrischung. Also weiter zerlegen, und man hat bald alle Teile in ihrer ganzen Pracht vor sich:

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Jetzt schön vom Uraltfett befreien, ordentlich neu schmieren und wieder zusammenbauen.

Weiter geht es mit dem Korken. Das letzte halbe Jahrhundert war die Menschheit ja nicht untätig und hat neben viel Mist auch einige sinnvolle Dinge erfunden. So benutzen heute die Füllerhersteller üblicherweise Silikondichtungen und Silikonfett statt Korken und Bienenwachs. Hat eine höhere Halbwertzeit, will ich auch haben.

Etwas Suche im Fundus zeigt dann auch, daß sich das Zerlegen meines ersten CD-Brenners vor über zehn Jahren gelohnt hat.

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 Dieser Vibrationsdämpfer hat nun ein neues Leben vor sich. Man muß ihn nur auf Maß schleifen…

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… und ein paar Dichtlippen ausformen…

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… et voilà, hier ist die neue Kolbendichtung:

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(der Messingring ist eine aufgebohrte Unterlegscheibe)

Füller zusammengebaut, Tinte rein: ist dicht – und bleibt dicht. Alle Originalitätsfanatiker dürfen gerne ihre Korken selber fressen. (Ergänzung im April 2015: Bleibt auch dicht nach zweieinhalb Jahren in täglichem Einsatz)

Nachdem ich jetzt ein paar Füller zu viel habe: Braucht einer einen Lamy 2000 oder einen Geha 790 (beide mit M-Feder)?