Eine Maus mit drei richtigen Tasten und Scrollrad! Bisher mußte man sich sowas selber bauen…

In grauer Vorzeit, lange bevor die Tierchen das Sehen erlernten, hatte der allgemein bekannte Schweizer Rechnereingabegerätehersteller mal die einzig wahren Mäuse im Programm: Den Logitech MouseMan 96. Dreieckig, leicht ergonomisch angeschrägt und deshalb sehr komfortabel, schlicht. Und mit drei großen Tasten. Dürfte in seinen variösen Ausführungen (zuletzt als Wingman Gaming Mouse und Wingman Force Feedback Mouse) eins der langlebigsten Mausdesigns gewesen sein.

Sölbige Nager hat der Meister bis heute in Benutzung – natürlich vor Jahren nach dem 9876sten Mal Reinigen der Kugel technisch etwas aktualisiert (Kugel raus, Optik rein, Scrollrad rein, Mikroschalter bei der Gelegenheit erneuert). Der Meister ist übrigens nicht der einzige, der diese Maus in die Neuzeit gerettet hat.

Maus

… und so laufen sie und laufen und laufen… auch deswegen, weil alle Mäuse seitdem nur noch zwei Tasten und dieses doofe Klick-Scrollrad in der Mitte hatten.

Bis vor kurzem jedenfalls. Denn jetzt gibt es endlich wieder eine echte 3-Tasten-Maus: die G-600 könnte der erste würdige Nachfolger für die alten Mäuse sein, auch wenn sie wahre Massen an nutzlosen Zusatztasten hat… Die wird bei nächster Gelegenheit ausprobiert.

Aber vorher wird meine Firmenmaus nochmal komplett überholt, noch traue ich dem Braten nicht. Da kann man auch gleich mal ein paar Photos machen.

Für diejenigen, die selbst noch einen MouseMan haben und den umbauen wollen:

Man nehme einen Mouseman 96 und eine Typhoon Mini Notebook Mouse Typ 40260…

Mouseman1 Mouseman2
Typhoon
Beide schraubt man erst mal komplett auseinander; bei der Logitech darf man aufgrund ihres Alters auch durchaus mal die Gehäuseteile nehmen und mit Wasser und Seife abschrubben.

Jetzt machen wir erst mal Sachen kaputt.

  • Die Leiterplatte der Logitech muß ihres Kugelantriebs beraubt werden: das schwarze Kugelgehäuse mit den Rollen und die Sensoren müssen weg.
  • Das Gehäuseunterteil der Typhoon hat innen einen rechteckigen Ausschnitt für die Optik. Alles ab ca. 1mm dahinter muß weg. Außerdem muß der hochstehende Rand seitlich ab und der Teil ab ca. 5mm vor dem vorderen Ende des Rechtecks muß auch entfernt werden.
    Der Rest muß so abgeschliffen werden, daß die Rundung des Mauskugeldeckels der Logitech nachgeformt wird.
  • Des Gehäuseunterteil der Logitech muß da, wo die Kugel war, ebenfalls rechteckig so ausgesägt werden, daß der Gehäuserest der Typhoon als neue “Kugelabdeckung” bündig eingeklebt werden kann:
    Unterteil1Unterteil2
  • Bei der Leiterplatte der Typhoon wird vorsichtig der Impulsgeber vom Drehrad abgelötet und dann der vordere Teil mit den Tasten bis zum Ende des eckigen Ausschnitts abgesägt. Die Leiterbahnen am Rest werden freigekratzt, an die werden später die Taster der Logitech und das Drehrad angeschlossen. Man sollte dokumentieren, welche Leiterbahn wofür zuständig ist…
    Leiterplatte1
  • Die Leiterplatte der Logitech muß mit einem passenden rechteckigen Ausschnitt für die Leiterplatte der Typhoon versehen werden. Mehrfach nachmessen und lieber erst mal zu klein aussägen und dann erst passend feilen, wir wollen ja möglichst auf Heißkleber verzichten…
  • Das Scrollrad muß selbsttragend werden. Das geht recht einfach; man muß nur das Kunststoffrad so anpassen, daß es ganz an den Impulsgeber paßt.
  • Das Oberteil der Logitech muß noch einen Ausschnitt für das Scrollrad bekommen. Wohin man es schraubt, hängt von der jeweiligen Vorliebe ab – ich wollte es zwischen zweiter und dritter Taste. So betätigt dann der Zeigefinger Scrollrad und linke Taste, der Mittelfinger die mittlere und der Ringfinger die rechte.

Zum Zusammenbau biegt man sich erst mal die Füße des Impulsgebers so nach oben, daß die das Scrollrad im Oberteil festhalten.

Die beiden Leiterplatten werden ineinandergesteckt und mit Sekundenkleber verbunden. Die Taster auf der originalen Leiterplatte werden mit dünnen Litzen oder Lackdraht mit den Leiterbahnen auf der Typhoon-Leiterplatte verbunden. Nicht vergessen, die originalen Leiterbahnen auf zu den Tastern zu unterbrechen – sonst kommen sich eventuell beide Elektroniken ins Gehege…
Der Impulsgeber vom Scrollrad wird mit einem etwa 10cm langen Stück vom Anschlußkabel der Typhoon mit der Leiterplatte verbunden. Ich habe als “Umsteigepunkt” erst mal eine Verbindung mit Lackdraht zu drei Kontakten auf der Logitech-Platine gemacht und dort dann erst das Kabel angelötet.

Das Anschlußkabel kann man von der Logitech weiternutzen – oder man klebt in den Plastikhalter ein USB-Kabel von einer anderen Maus oder Tastatur ein – nur der Außendurchmesser sollte einigermaßen passen. Der Steckkontakt auf der Leiterplatte der Typhoon muß weg, der ist zu hoch – Kabel direkt anlöten!

Als nette Zugabe kann man sich dann noch hinten auf der alten Logitech-Leiterplatte ein Gewicht aufkleben.

Des Meisters Lösung sieht so aus:

OberteilTastenScrollrad

Leiterplatte2ElektronikAlles_offen