Beim Panzerbenz des Meisters hatte der Vorbesitzer, die alte Wutz, neben Mißhandlung der Zierleiste an der Tür und nachdrücklichem Einsauen der Lautsprecherverkleidung auch den Schaltknüppel vom Sechsganggetriebe vergewaltigt – rings um den Chromring der Ganganzeige war der Lederbezug fast komplett durchgescheuert.

Fürs erste hatte ich die Bescherung zwar einfach schwarz eingefärbt, aber alles in allem ging mir das doch ein wenig auf den Senkel. Leider hat derjenige, der bei Mercedes den Ersatzteilpreis für dieses Teil festgelegt hat, dezent den A… offen. Die billige Plastikversion kostet irgendwas um 120€ – die lederne kostete 2007 über 170€ – heute bekommt man sie wohl überhaupt nicht mehr.

Der Meister hat Leder, der Meister hat einen (bei Ebay geschossenen) Plastikschaltknauf für die Zwischenzeit – der Meister mag basteln. Mehr als das demolierte Teil ganz töten kann man nicht.

Wir benötigen:

  • einen Schaltknüppel – mit oder ohne Auto dran
  • ein Stück weiches, dehnbares und knapp 1mm dickes Leder in der gewünschten Farbe, mindestens etwa 15x15cm groß
  • einen ganz kleinen Schlitz-Schraubenzieher, um die Ganganzeige abzuhebeln
  • einen Torx-Schraubenzieher für die Schraube im Schaltknüppel drin (TX15 oder TX20 – ich vergaß zu notieren…)
  • Pattex (am besten den in der schwarzen Tube), um das Leder aufzukleben
  • Sekundenkleber, um die Ganganzeige wieder zu befestigen
  • eine Nagelschere
  • etwas Aceton oder Bremsenreiniger, um die alten Klebstoffreste loszuwerden
  • einen kräftigen Haar- oder besser einen Heißluftfön
  • irgendwas festes und einigermaßen hitzebeständiges mit kugeliger Oberfläche und grob 40mm Durchmesser sowie einen Halter dafür.

Nun gehts los…:

Nach dem Ausbau des Schaltknüppels aus dem Auto (Aschenbecher auf, Mittelkonsolenverkleidung kräftig hochziehen und hinten ausklinken, Schaltsack über den Schaltknüppel ziehen, schwarzen Ring 90° nach links drehen und krrrräftig am Knüppel nach oben ziehen) wird erstmal der eigentliche Griff vom Sack getrennt und auseinandergenommen. Dazu zieht man erst den schwarzen Ring vom Unterteil ab.

Schaltknauf1

Dann wird der weiße Ring abgezogen, indem man ihn ein etwa 45° hin- und herdreht und dabei zieht, bis er über die Rastnasen rutscht:

Schaltknauf2

Nun kann man den Schaltsack einfach abnehmen.

Dann zieht man den nur aufgesteckten unteren Chromring ab. Als nächstes folgt der (ebenfalls nur gesteckte) Vorderteil des Schalthebels – einfach nach unten in Richtung der Rastnasen schieben. Je nach Modell muß dieses Teil dann auch bezogen werden; bei der Karosse des Maschinisten ist der Teil auch mattverchromt.

Nun kann man schon mal das alte Leder ein Stück abziehen. Achtung: vorher angucken, bis wohin das Leder reicht – so muß dann später auch das neue Leder angepaßt werden.

Auf der Oberseite muß man notgedrungen erst mal rabiat werden und mit einem kleinen Schraubenzieher das Plättchen mit der Ganganzeige aus dem Chromrahmen hebeln. Das Ding ist festgeklebt und entsprechend unwillig, seinen Platz zu räumen.

Schaltknauf3

 Danach löst man die Schraube…

Schaltknauf4

… und hat nun endlich alle Teile des Schaltknaufs auseinander.

Schaltknauf5

Jetzt muß der Griff von allen Lederresten befreit werden – bei mir hat das Abrubbeln der Reste mit Küchenrolle und (auf die Küchenrolle aufgesprühtem, um den Kontakt mit dem Material des Schaltknaufs kurz zu halten) Bremsenreiniger am besten geklappt. Ordentlich arbeiten, man sieht die Reste sonst durch das neue Leder durch!

Nun nimmt man das neue Stück Leder und legt sich zunächst auf dem Griff zurecht, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wo das Leder gezogen werden muß und wo es zum Faltenschlagen neigt. Den Punkt der stärksten Dehnung merkt man sich ungefähr und beult das Leder an dieser Stelle aus, indem man die Kugel mit dem Fön auf etwa 40…90°C erhitzt und das Leder kräftig darüberzieht. Der Meister hat zu diesem Behufe die Kugel eines alten Fenstergriffs (fragt nicht, wo die herkommt…) und einen Schraubstock genutzt:

Schaltknauf6

Wenn man das Leder soweit geformt hat, daß man es faltenfrei um den ganzen Griff ziehen kann, nimmt man es wieder ab – und übt erst das Aufziehen und Festhalten noch ein paar mal.

Dann streicht man die zu beziehende Fläche bis etwa 5mm vom Rand weg mit Pattex gleichmäßig satt ein und zieht das Leder wieder über den Griff. Einige Minuten muß man das nun festhalten, bis der Pattex anfängt zu kleben. Dann legt man es weg und läßt es noch etwas ruhen.

Schaltknauf7

Anschließend schneidet man den Überstand des Leders ab – der Rand muß wieder da sein, wo das originale Leder aufgehört hat. Mercedes war zumindest in meinem Fall so nett und hat entsprechende Markierungslinien auf den Körper des Schaltknüppels gemacht. Erst jetzt streicht man auch den Rand der zu beklebenden Fläche ein und zieht das Leder bis zum Rand straff. Wieder einige Minuten festhalten! Gegebenenfalls nochmal nachschneiden. Trocknen lassen.

Wenn man alles richtig gemacht hat, sieht das ganze dann so aus:

Schaltknauf8

Schaltknauf9

Jetzt kann man die beiden unteren Teile schon wieder feststecken. Ausrichtung des unteren Chromrings beachten. Falls das nicht geht, ist irgendwo noch Leder an einer Stelle, wo es nicht hingehört.

Schaltknauf10

Sieht doch schon mal gut aus.

Endspurt: Oben zeichnet sich deutlich die Aussparung für die Ganganzeige ab. Dort schneidet man nun ein knapp 1cm großes Loch in der Mitte hinein und macht alle 5mm bis etwa 4…5mm vom Rand entfernt einen kleinen Schnitt nach außen.

Schaltknauf11

Diesen Rand bestreicht man nun noch mit Klebstoff und legt ihn nach innen um:

Schaltknauf12

Wenn das getan ist, muß man nur das Gewicht wieder in den Schaltknauf stecken, den Deckel aufsetzen, festschrauben und die Ganganzeige wieder mit ein paar kleinen (und wenn ich “klein” sage, meine ich auch klein) Tropfen Sekundenkleber befestigen. Beim Sekundenkleber beachten, daß der nur auf die Schaumstofffläche des originalen Klebepads kommt und nicht auf die empfindliche schwarz lackierte Unterseite der Ganganzeige!

Et voilà, das gute Stück sieht wieder aus wie neu.

Schaltknauf13