Was so alles mit einem Haus kommt…: Die Hütte hat eine Terrasse, und die kann man ja mal nutzen. Also braucht man, falls man nicht dem fernöstlichen Ansatz des Auf-dem Boden-Herumhockens folgt, Tischchen, Gartenstuhl. Wie schon Konfuzius sagt: “wel einen Stuhl hat, sitzt bequem ohne Velknotung seinel Extlemitäten.”

Dazu ist, weil Gruftis nun mal lichtscheues Gesindel sind und Sonne neben Albernheit auch ausgeblichene Klamotten, erbraunte Haut, Sommersprossen, Altersrunzeln sowie spontane Totalausfälle verursacht, ein Sonnenbescheinungverhinderungsgerät oder besser mehrere vonnöten.

In des Maschinisten Falle sind das zwei große Sonnenschirme; und weil der, der billich kauft, sölbiges bekanntermaßen zweimal tut, sind die Dinger nicht fernöstlicher, sondern schweizer Herkunft. Sollten also halten.

Daß das auch mal ein Irrtum sein kann, stellte sich vor einer Woche heraus – der fast nagelneue Glatz Alu-Twist ließ sich wunderbar öffnen; schließen dagegen wollte er sich so überhaupt nicht mehr lassen; auf dem halben Wege ging er einfach wieder auf.

Ein kurzer Blick ins Innere ergab, daß sich das Zugseil aufs wunderbarste in seine Bestandteile zerlegt hatte; vermutlich ein Produktionsfehler. Der Hersteller sah das wohl ähnlich, fackelte dankenswerterweise nicht lang und schickte ein komplettes neues Gestell.

Damit war der Schirm heile; aber das wegen eines lausigen Seiles defekte Gestell einfach wegwerfen wollte ich nun auch nicht. Der Hinweis in der Serviceanleitung, daß der Austausch nicht möglich sei, ist ja wohl bestenfalls als Ansporn zu versehen, es trotzdem zu versuchen…

Und – es funktioniert prima; man kann beim Alu-Twist recht problemlos das Seil wechseln – zumindest, solange es nicht gerissen ist und man selbst nicht zehn linke Daumen hat.

Wie das geht, sei dem unbekannten Leidengenossen im folgenden beschrieben:

  1. Erst mal die Bespannung abnehmen und die ganzen Streben vom Stock entfernen. Dann den Unterstock abmachen, so daß man nur noch den Oberstock mit der integrierten Seilzugmechanik in den Fingern hat. Das Seil aus dem Schieber lösen.
  2. Den noch herausguckenden Teil des Seils mit einem dicken (lösbaren!) Knoten sichern. Wenn der weg ist, war die ganze Arbeit umsonst.
    Auch Schweizer murksen mal
  3. Den Plastikstopfen abziehen. Dann sieht man die Bescherung. (Der Meister hatte dies vorab bereits gemacht, daher ist der Schirm auf dem folgenden Bild noch zusammengebaut):Auch Schweizer murksen mal
  4. Nun den Oberstock in einem Schraubstock sichern, so daß man an das untere Ende gut drankommt. Die Kurbel zeigt nach unten, der Rastknopf nach oben. Die Plastikverkleidung der Kurbel durch Lösen der vier Schrauben abnehmen. Damit ist der einfache Teil erledigt :-)
  5. als nächstes muß der Rastknopf raus, der den Unterstock festhält. Hierzu mit einem Schraubenzieher oder ähnlichem das untere Ende des u-förmigen Federdrahts im Rohr anheben und ein Stück Plastik von der Verpackung der Frühstücksworscht unterschieben. Wenn das geschafft ist, kann man den Rastknopf tief eindrücken und gleichzeitig nach vorne herausziehen.
    Auch Schweizer murksen mal
  6. Jetzt hat man Zugang zum Seil. Mit einem Stück gebogenem Draht holt man nun den Mist nach vorn und wickelt von der Spule ab, was man abgewickelt bekommt. das, was dann vorn rausguckt, sichert man am besten irgendwie daß es nicht nach innen flüchten kann.Auch Schweizer murksen mal
  7. Nun wird noch einiges an Seilfasergeknödel an der Spule hängen, was man erst einigermaßen loswerden muß. Dazu nimmt man am besten ein Metallsägeblatt und macht das Chaos da drinnen einigermaßen klein, bis man wieder den Rest des originalen Seils sieht, das auf der Spule aufgewickelt ist. Auf der zur Kurbel hingewandten Seite der Spule ist ein Knoten. Der muß abgesägt werden, sonst bekommt man später die Kurbel nicht raus.Auch Schweizer murksen mal
  8. Jetzt biegt an die Haltelaschen der Mutter auf der Kurbelwelle um, markiert die Position der Mutter und schraubt sie anschließend ab. Dann nimmt man die nachfolgend dargestellten Teile ab.Auch Schweizer murksen mal
  9. Die Kurbel ist damit lose, läßt sich wegen des Seils aber nicht herausziehen. Daher werden nun die Niete an den Lagern der Kurbelwelle mit einem 4mm-Bohrer aufgebohrt:Auch Schweizer murksen mal
  10. Nicht zu tief bohren, sonst wird der Lagerklotz beschädigt! Auch Schweizer murksen mal
  11. Den Kopf kann man dann ggf. mit einer Kneifzange abhebeln…Auch Schweizer murksen mal
  12. … und den Lagerklotz vorsichtig mit einem Schraubenzieher hochdrücken, falls er zu fest sitzt:Auch Schweizer murksen mal
  13. Nun kann man die Kurbel entfernen und den Rest des Seils abpopeln.Auch Schweizer murksen mal
  14. Der Knoten am alten Seil von Punkt 2 wird nun geöffnet und das neue Seil (ca. 3,5m langes 2,8…3mm dickes, wetterfestes Kunststoffseil – je tragfähiger, desto besser) an das alte Seil angeschmolzen.Dabei darauf achten, daß die Verbindungsstelle nicht wesentlich dicker wird als das Seil. Durch Ziehen an der Verbindungsstelle prüfen, daß das ganze hält, und das neue Seil vorsichtig nach unten zur Kurbel durchziehen.
    Achtung: Wenn das Seil abreißt, hat man verloren – also lieber doppelt und dreifach prüfen!
    Nach dem Durchziehen sollte man das Ende des Seils wieder mit einem Knoten gegen Durchrutschen sichern. Auch Schweizer murksen mal
  15. nun die Kurbelwellenlager für die erneute Befestigung vorbereiten. Entweder man nimmt neue Blindniete (Edelstahl, 3mm Durchmesser), oder man bohr die Löcher etwwas auf und verbindet beide mit einer Schraube. Als Mutter läßt sich übrigens wunderbar eine M4-Gewindehülse von Ikea Kvartal verwenden, die vermutlich jeder, der dieses System im Haus hat (und Ikea wegen der Einstellung verflucht), dutzendfach in der Werkzeugkiste liegen haben dürfte…Auch Schweizer murksen mal
  16. Nun wird zunächst das obere Kurbelwellenlager (das ohne Feder und Rastklinke) zurück auf die Kurbel geschoben. Dann wird die neue Schnur aus dem Loch heraus, durch die Kurbel und wieder zurück ins Loch und nach hinten herausgefädelt…:Auch Schweizer murksen mal
  17. Das Ende der Schnur wird (wenn man es originalgetreu möchte) mit einem Endachtknoten versehen.Auch Schweizer murksen mal
  18. Nun wird die Kurbel mit Seilschlaufe wieder in den Oberstock eingeführt…Auch Schweizer murksen mal
  19. … und auf der Unterseite das Gegenlager eingesetzt. Dabei darauf achten, daß die Rastklinke an der richtigen Position ist. Wenn man sich für die Variante mit Schraube statt der Niete entschieden hat: vorsichtig und nur leicht handfest anziehen, ggf. mit etwas flüssiger Schraubensicherung vor dem Losdrehen schützen. Nicht den Schirmstock verbiegen!Auch Schweizer murksen mal
  20. Anschließend werden die beiden Mitnehmerscheiben und das Zahnrad wieder aufgesetzt und die Mutter angezogen. Nicht weiter drehen als bis zur Markierung! Dann werden die beiden Sicherungsbleche wieder hochgebogen.Auch Schweizer murksen mal
  21. Jetzt kann die Kubeltriebblende wieder montiert werden. Anschließend wickelt man das Seil durch Drehen der Kurbel etwa 2,5 Umdrehungen weit im Uhrzeigersinn auf die Spule auf – als würde man den Schirm aufspannen wollen.Auch Schweizer murksen mal
  22. Es folgt der obere Abschluß. Hierzu wird das Seil durch den Schieber gefädelt, aber noch nicht verknotet. Nun eine Schirmstrebe einsetzen und damit die tiefste Stellung des Schiebers feststellen.Auch Schweizer murksen mal
  23. Das Seil markieren und an dieser Stelle mit zwei übereinandergelegten Überhandknoten versehen. Die kann man dann mit etwas Ziehen in den Schieber hineinbugsieren. Auch Schweizer murksen mal
  24. Nun alles wieder zusammenbauen. Fertig, der Schirm funktioniert wieder – und wir haben, statt über 150€ für einen neuen Oberstock hinzulegen, so zwei bis drei Euro für 3m Seil ausgegeben. Damit kann die Bestellung von Goth Block wieder gestoppt werden…