Sehr schön.

Nach einigem Hin- und Herüberlegen steht hier nun ein Streacom DB4, wo gerade ein neuer Computer hineingewachsen ist. Ohne körperschallabsorbierende Bitumenmatten, ohne ungezählte Lüfter mit schalloptimierten Propellern und nur 0,1 Sone, ohne vibrationsentkoppelnde Silikonnuppel, ohne hineingequetschte Towerkühler mit noch mehr leisen Lüftern, die in der Summe dann doch wieder rauschen, regelmäßig von Staub befreit werden wollen, und so weiter…

Genauer gesagt: ohne einen einzigen Lüfter. Und ohne irgendwas sonst, was sich bewegt und damit Radau macht. Vom Bios-Piep beim Booten abgesehen tut der Würfel einfach nichts, außer Elektronen durch die Gegend zu jagen. Was nebenbei sowohl der Ryzen 2600 als auch die Geforce GTX 1650 in einer auch zum gelegentlichen Zocken vollkommen ausreichenden Geschwindigkeit machen.

Es hat ziemlich genau sechsundzwanzig Jahre gedauert, um diesen Zustand wieder zu erreichen, seitdem der Meister seinem bis dato von gelegentlichem Geratter des Diskettenlaufwerks abgesehen lautlosen Atari ST eine Heulboje namens “Megafile 30” zur Seite gestellt hat.

Details gefällig? Bitte sehr:

Erstmal meinen Dank an den Australier, der hier seinen “completely silent computer” beschrieben und mir damit einiges an Arbeit erspart hat.

Das Streacom frißt mit maximaler Kühlung einen Prozessor, der nach offizieller Spezifikation bis 105W verbraten darf (gemäß Tests geht da auch noch mehr) und eine Grafikkarte mit bis zu 75W TDP. Wenn man das nutzen will, muß man sich erst mal ein Mini-ITX-Mainboard suchen, das in “normaler” Einbaulage gesehen oberhalb des Prozessors möglichst keine temperaturempfindlichen oder hohen Bauteile hat, weil da sechs Heatpipes entlanglaufen. Ich bin der freundlichen Empfehlung im oben verlinkten Bericht gefolgt und habe mir das ASRock Fatal1ty B450 geholt – das war auch bei meinem Händler das einzige Ryzen-Mini-ITX-Mainboard mit USB 3.1… erste Klippe umschifft.

Dann war mir das von Streacom angebotene Netzteil suspekt. 140€ für ein 230W-Netzteil, das zudem gemäß Tests eine beschissene Qualität der Ausgangsspannungen zu haben scheint mag ich nicht. Es wurde dann ein Silverstone Nightjar NJ450-SXL, das mit einer Klammer und zwei selbstgeschnittenen Gewinden an der einen Gehäusewand befestigt wurde:

Der Stromanschluß ist mit einem abgeschnittenen Winkel-Kaltgerätekabel und einer Kaltgeräteeinbaubuchse vom Typ Bachmann 917170, die zufällig fast perfekt (nur die Kanten ganz minimal rundfeilen) in den Ausschnitt im Gehäuse paßt. Die Anschlüsse sind doppelt umschrumpft und dann nochmal komplett umwickelt, damit man nicht versehentlich dranfassen kann.

Neben dem Netzteil ist dann noch entspannt Platz für zwei 2,5″-SSDs oder Festplatten (oder eine größere), zwei weitere könnte man am Mainboardtray unterbringen.

Was an dem Streacom-Gehäuse nervt, sind die sehr unglücklich plazierten “Front”-USB-Ports. Mit einem 90°-Winkel mit 14mm Länge zwischen Stecker und abgeknickter Buchse (gibts bei Amazon) kann man die leichter zugänglich machen, aber meinereiner wollte auch noch einen Kopfhöreranschluß – daher wurde es dann ein komplettes PC-Gehäuse-Frontpanel mit gedrucktem Halter, so daß es unter der einen Gehäuseseite zu erreichen ist. Die Unimat ist unter dem Blach fest verschwunden, und Bonsai-Fräsmotörchen hat ein wenig zu kämpfen gehabt… aber es funktionor.

Nach dem ersten Versuch, einen der Kühler zusammenzubauen, wurde fluchend das mitgelieferte Wärmeleit…irgendwas (die Konsistenz erinnert an die Krümel, die beim Flexen übrigbleiben, ergänzt mit einem Hauch grau gefärbten Maschinenfetts; es haftet auch fast genausogut auf Oberflächen) in den Müll entsorgt. Ziemlich peinlich, so etwas einem 250€-Computergehäuse beizulegen.
Merke: Wärmeleitpaste ICE-5 verdient eindeutig das selten vergebene Gütesiegel

Brummnuppel adé

Der Meister durfte erstmal dank der Brösel in diesem Zeug eine Heatpipe vorsichtig wieder aus dem Aluhalter herausklopfen und danach glattschleifen…

Wenn man also was vernünftiges nachgekauft hat, pinselt man damit entgegen der Anleitung die kompletten Kontaktflächen der Heatpipes ein. Und man macht sie auch zwischen Heatpipes und Gehäusewand – die beigelegten Wärmeleitpads kann man unter das Netzteil packen. Gut fünfzehn Gramm Arctic MX-4 gehen in der Summe problemlos drauf, wenn man das GPU-Set mit einrechnet; etwa so viel, wie ich in allen meinen Rechnern der letzten 20 Jahre zusammen verbraten habe… und nachdem mir 50°C Chipsatztemperatur nicht so unendlich gut gefallen, haben die Mainboard-Kühlkörper noch ein kleines Upgrade in Form von aufgeklebten Kupferkühlkörperchen erfahren.

Der Rest geht dann mehr oder weniger nach Anleitung, in diesem Falle ergänzt durch einen kleinen Gebraucht-Mieps (vulgo PC-Speaker), der mich auch später prompt gute Dienste geleistet hat…:

  • Grafikkarte zerpflücken
  • Mainboard mit CPU und RAM und dem Elektronikkrümel namens m.2-SSD versehen. Teufel auch – welch ein Kontrast zu einer 5 1/4-Zoll Festplatte von einst…
  • Kühler fertig montieren und die ganze Elektronik ins Gehäuse verpflanzen.

Alles ein bißchen anders, als man es gewohnt ist, aber doch fast genauso, bis auf die ganzen Heatpipes.

Abschließend: Erstmal rausfinden, warum der Computer nicht bootet und nach dem Entschlüsseln von “PIIEEEP…PIIEEEP…PIIEEEP” den defekt gelieferten Speicherriegel umtauschen. Fünf Piepser wären die Grafikkarte gewesen. Steht natürlich nicht mehr wie früher im Mainboard-Handbuch drin – man braucht einen Computer, um rauszukriegen, warum der Computer nicht will. Da hat jemand mitgedacht. Nichts ist jemals einfach…

Dann einschalten, das Betriebssystem draufbügeln – und dabei die Stille genießen. Der vollkommen lautlose PC :-)

Brummnuppel adé
Noch etwas in die Ecke gequetscht…