Seine alte Festplatte so richtig plattmachen kann man ja bekanntermaßen nur mit einem Low-Level-Format.

Üblicherweise holt man sich dazu das entsprechende Programm des Herstellers, in des Meisters Fall wären das die SeaChest-Utilities von Seagate.

Also gut, heruntergeladen und angefangen.

Als erstes ist das RAID auseinanderzupflücken, das geht – danke, Intel – mittlerweile nur noch über das Boot-BIOS des Raid-Controllers und nicht mehr in der Software.

Dann erstellt man einen bootfähigen USB-Stick mit den Tools drauf – nur um beim nächsten Boot herauszufinden, daß der nun leider… naja, nicht bootet. Das auf dem Stick befindliche Mini-Linux ist sich offenbar für ein zehn Jahre altes BIOS zu fein; auch das komplette Deaktivieren des angeblich von Linux nicht besonders geschätzten Intel-Raidcontrollers und Umstellen des Systems auf AHCI nutzt da wenig. Aber in den Untiefen des just erstellten Linux-USB-Sticks findet sich ja ein Ordner mit einem Windows-Installationsprogramm für die benötigte Software… also einmal installieren. Halt, wir haben ja das BIOS auf AHCI umgestellt, also müssen wir erstmal Windows wieder zur Arbeit überreden….

Zwei Reboots später liest man sich in die etwas obskuren Optionen der Kommandozeilen-Tools ein und entdeckt, daß man bei SATA-Festplatten mitnichten “Seachest-Format”, sondern “Seachest-Erase” nehmen möge.

Das tut man dann auch, findet mit dem ersten Kommandozeilenparameter (Kommandozeile mit Adminrechten natürlich, sonst gibt es nur eine “geht nicht”-Meldung) die Festplatte, merkt sich die programminterne ID, startet das Programm erneut mit einem anderen Parameter, um die Bereitschaft der Festplatte abzufragen, kriegt ein “ready” zurück und startet dann schlußendlich das Programm mit dem dritten Parameter, um die Platte zu formatieren.

Man erhält einen netten Hinweis, man möge doch bitte noch einen kleinen handlichen Parameter anzuhängen, ich zitiere: “–confirm I-understand-this-command-will-erase-all-data-on-the-drive” .

Das tut man nun, vertippt sich dabei, tut es nochmal, hofft das beste – und stellt fest, daß – natürlich – Windows noch auf der Platte rumfuhrwerkt. Also die Datenträgerverwaltung öffnen und der Platte ihren Laufwerksbuchstaben klauen. Neu starten, mal wieder.

Nächster Anlauf, alles von vorne… und man bekommt die Meldung, daß die Platte leider “frozen” sei.

Man sucht in der Textdatei mit der Dokumentation: ah, das BIOS des PC tut das. Das müsse man abschalten, sonst könne man nicht Low-Level-formatieren. Zu diesem Behufe suche man im BIOS nach der passenden Einstellung – oder klemme bei laufendem PC mal eben den Strom von der Festplatte ab, warte ein wenig und stecke sie wieder an. Prüfen könne man den Erfolg mit dem Kommandozeilenparameter “–deviceInfo” (case sensitive nebenbei).

Reboot. Das BIOS gibt nichts her. Gut, dann halt Methode zwei, es ist ja nur der alte PC… neuer Reboot, Kiste aufmachen, Stecker ziehen, beten, einstecken… nein. Bringt leider ebensowenig.

Aber wir haben ja noch diesen komischen JMicron-SATA-Controller auf dem Board drauf. Ist der vielleicht mal zu was gut? Kiste wieder auf, Mainboardhandbuch aus der Kiste gekramt, Platte umgesteckt und im BIOS den Controller aktiviert. Windows braucht wenigstens keinen Extra-Treiber, danke.

Wieder mal die Kommandozeile und das Seagate-Tool: super, jetzt erkennt diese Software die Festplatte nicht mehr (Windows dagegen schon).

Also nochmal umstecken und neu booten: der Festplatte gehts prächtig, nur “frozen” ist sie immer noch.

Suche im Netz: da gibt es noch ein Tool namens “HDD Low Level Format” von irgendeinem Bastler namens “HDDGuru”. Seit 2013 nicht mehr aktualisiert. Egal. Probieren wir das mal, der Schrott von Seagate tut ja offensichtlich nicht.

Das Progrämmchen findet die Platte, beschwert sich nicht, spuckt aber beim Formatieren lauter Fehler aus… nee, das taugt nicht. Vielleicht dieses “Frozen”…?

Wieder den Computer aus und die Platte an den JMicron-Controller angesteckt.

Reboot, “HDD Low Level Format” starten, Platte auswählen – und Zeichen und Wunder, die Sau formatiert sich endlich! Drei Stunden später ist sie dann auch fertig, die kostenlose Version des Programms ist in der Geschindigkeit limitiert.

… und da wundert man sich, warum selbst auf gebrauchten Firmen-PCs ständig noch alte Daten auf den Festplatten zu finden sind… erkläre mir mal einer, wie der durchschnittlich unfähige Sysadmin oder gar ein Heimanwender sowas gebacken kriegen soll!