Kategorie: Mechanohacked

Danke, Elektra Tailfingen…

… für diese wirklich wunderbar mißbrauchbaren Nockenschalter von Euch.

Wir haben:

  • einen Stern-/Dreieck-Umschalter mit “Aus” in der Mittelstellung
    • einen zweistufigen Drehtaster mit ebenfalls drei Schalteinheiten, der ursprünglich ganz bestimmt mal seine Daseinsberechtigung hatte. Selbige ist mir jedoch vollkommen schleierhaft. Ist aber eigentlich auch egal.
  • Feile und Schraubendreher

Wir benötigen:

  • einen zweipoligen Ein-/Ausschalter
  • einen Umschalter mit … äh… nennen wir es “leicht legasthenische Binärlogik” – ein Eingang, der in Schalterstellung 1 auf Ausgang 1, in Stellung 2 auf Ausgang 1 und 2, in Stellung 3 auf garnix und in Stellung 4 auf Ausgang 2 gelegt ist.

Und nun… sollte hier eigentlich eine einigermaßen nachvollziehbare Anleitung stehen. Hab ich aber nicht. Ich hab aber einfach den Endanschlag von den beiden Schaltern (eine Blechscheibe mit einer Aussparung unterhalb der Blechabdeckplatte) so zurechtgefeilt, daß der Taster zum Schalter wurde und der Schalter eine Schaltstellung mehr bekommen hat. Und dann wurde einfach so lange herumprobiert, bis die gewünschten Schaltstellungen da waren…

Danke, Elektra Tailfingen...


Ätsch, geht doch.

Daß der Meister ein böser Jünger des heiligen Jobs ist und das Apfel-Upgrade verweigert, schrieb ich ja schon. Dazu gehört, daß auch das alte iTunes inklusive Apps dableibt. Wie ebenfalls geschrieben, scheint des Meisters Na nicht getrogen zu haben  – ich falle nämlich zunehmend über Apps, die einfach aus dem Appstore verschwunden sind. Und zwar nicht nur so, daß man sie nicht mehr kaufen kann, sondern auch so, daß sie aus der Liste der gekauften oder der der ausgeblendeten Artikel still und leise verschollen sind. Kurz: “weg” im Sinne von “wirklich weg”, ohne sie irgendwo im Account neu laden zu können. Auf einem neuen Gerät kann man sowas schlicht und einfach nicht mehr installieren, wenn man es nicht auf dem PC hat, kopieren von Eifon zu Eifon geht ja bekanntermaßen nicht.

Es geht also nix über die lokale Sicherung der gekauften Apps in iTunes.

Nun hat der Maschinist jedoch in einem Fall spontaner geistiger Umnachtung etwas spät reagiert, als es um das Updaten von Apps ging – und iTunes gesagt: “mach halt”, wonach iTunes dann einige Apps freudestrahlend auf iOS11-only-Versionen aktualisierte.

Dumm gelaufen, und wenn es nach Apple geht, hat man damit dann halt verloren.

Wenn es nach mir geht, nicht. Also suchte ich und fand einen Beitrag von 2015, in dem ein freundlicher Mensch festhielt, was man tun möge, um iTunes zu veräppeln und alte Versionen von Apps zu laden. Dazu braucht man Fiddler, iTunes 12.4.3 (neuere Versionen lassen sich von Fiddler nicht einfach so veräppeln) – und einen Rechner oder eine Virtuelle Maschine, wo man beides installieren kann. Dann nutzt man Fiddler, um die Kommunikation von iTunes mit dem Server zu verändern, wenn man die App herunterlädt – und kriegt seine alte App-Version.

Soweit, so gut. Nur hat Apple offenbar den Appstore des alten iTunes lahmgelegt; egal, was man tut, man kann keine Apps aus dem Appstore mehr herunterladen – was ein kleines Problem darstellt.

Fast jedenfalls. Wenn das alte iTunes die App nämlich kennt und sie nur aktualisieren will, geht das noch. Nur wie kriegt man eine alte Version der App in das alte iTunes rein, die es aktualisieren könnte, damit man das austricksen und eine alte Version der App laden kann?

Klingt nach einem Henne-Ei-Problem. Aber es geht, und zwar so:


Wirklich passende Wacom-Ersatzminen

Nach gut einer Woche Wacom Intuos Pro kann ich zwei Sachen bestätigen:

  1. Das Teil ist echt angenehm in der Handhabung. Meine Maus vermisse ich (nach etwas Anpasserei im Treiber) überraschenderweise nicht im geringsten.
  2. diejenigen, die bei den Amazon-Rezensionen und sonstwo rumzetern, daß sich die Minen von Wacom unglaublich schnell abnutzen, haben recht. Man kann es nicht anders sagen – selbst bei mir sehe ich nach diesen sieben Tagen bereits eine kleine, aber klar erkennbare Abflachung der Mine. Da will ich gar nicht wissen, wie das bei jemandem aussieht, der tagein, tagaus mit dem Ding zeichnet.

Nun kann man natürlich drüber schimpfen und ansonsten regelmäßig Wacom sieben bis neun Euronen für einen Fünferpack Stiftspitzen schenken, die im Grunde ihres Herzens auch nur 27mm lange Plastikstifte mit einer abgerundeten Seite sind…

Es scheint daher durchaus einige Leute zu geben, die davon nicht so viel halten und nach Alternativen gesucht haben: Von der 1,65mm-Rasentrimmerschnur bis hin zu Nudeln ist vor den verzweifelten Zeichnern scheinbar nichts sicher.

Das paßt aber irgendwie alles nicht so richtig – die originalen Wacom-Minen haben (an den bei meinem Tablett migelieferten gemessen) einen Durchmesser zwischen 1,75 und 1,85mm. Packt man da was dünneres rein, wird das zunehmend wackelig. Und die Rasentrimmerschnur gibt es außerdem nur in ekligen Farben.

Also Augen auf, weitersuchen – und finden: man kriegt tatsächlich 1,8mm dicke, schwarze Nylonmonofilamentschnur, die damit exakt als Ersatz für die Originalspitzen taugt. Im Fischereibedarf!

Ich hab mir nun mal fünf Meter bestellt – das sollte für die nächsten Jahre reichen und kostet trotz Paketversand nicht mehr als eine Packung Wacom-Minen. Minen macht man daraus genauso wie aus der Rasentrimmerschnur – gerade und auf Maß abschneiden, dann ein Ende rundfeilen, schleifen oder -drehen.

… und noch eine völlig unzusammenhängende Erkenntnis: man kann tatsächlich auch Essen verkarotten. Heute so $Mylady passiert.

Edit – des Meisters Empfehlung (Link oben aktualisiert): Rob Allen Monofilament Ø1,8mm Black Mako. Perfekter Durchmesser, beinahe dieselbe Härte und dieselbe Farbe wie die Wacom-Minen.


iOS 10 behalten ohne Update-Nerverei

iOS 11 ist da. Und wie schon geschrieben – ich mag es nicht: nur noch 64Bit-Apps, keine App-Verwaltung mehr im iTunes (und so, wie es aussieht, auch keine neue App-Verwaltung als eigenes Programm), und zu allem Überfluß auch keine systemweiten VPN-Proxy-Firewallprogramme mehr, mit denen man das gesamte Handy werbefrei kriegt.

Also bei iOS 10 bleiben. Nur wie kriegt man das Telefon dazu, einem nicht täglich das Update aufs Auge drücken zu wollen?

Hier kommt der Werbeblocker ins Spiel, der bei iOS 10 ja noch geht. Wenn man einen solchen im Einsatz hat, kann man einfach den Apple-Updateserver aussperren – und prompt (ggf. nach dem Löschen des zwischengespeicherten Updates in den Einstellungen) gibt das Telefon Ruhe.

Wie macht man das?

  1. Werbeblocker installieren. Ich kenne derer drei:
    • Adblock von Futuremind (erst kürzlich gefunden, aber dem ersten Eindruck nach der Blocker mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis. Ergänzung: Läuft nach über einem Monat Testen wunderbar, bis auf zwei Einschränkungen: nach einem Geräteneustart kommt er nicht von allein in die Pötte. Und wenn man ihn nicht immer wieder mal aufruft, schaltet er sich von selber ab. Ansonsten fehlt: Zurücksetzen des DNS-Cache und eine Logdatei aller Verbindungen letztere ist seit Version 4 ergänzt!, und sie haben den von Apple verbotenen VPN-Proxy kurzerhand durch einen DNS-Proxy ersetzt, der im Endeffekt dasselbe tut und auch auf iOS 11 läuft. Glückwunsch!),
    • Disconnect Pro Privacy (viel zu teuer, auch weil man die Filterliste erst per In-App-Kauf erwerben muß, mit Schwächen bei der deutschen Übersetzung, aber: sehr zuverlässig – einmal anschalten und dann vergessen, in einem ersten Test selbst nach einem Reboot. Und mit einer sehr nützlichen Logdatei aller Verbindungen, aus der mal neue Sperren erstellen kann. Nur zu empfehlen, wenn die App mal im Angebot ist),
    • Weblock (günstig, mit Whitelist, aber ohne Logdatei, hat einige Tücken wie z.B. daß ab und an die Filterung einfach mal aussetzt, man den DNS-Cache vom iPhone nicht einfach zurücksetzen kann – und daß man den Appstore erst mal wieder zum Laufen bringen muß) gestrichen, die haben Apple ebenfalls nachgegeben und die VPN-Filterung ersatzlos abgeschafft
    • und Adguard Pro (soll sehr gut funktionieren, systemweite Filterung aber erst nach ein paar Tricks, muß man googlen)(gestrichen, weil die App offenbar unter Druck von Apple auf ein anderes Filterungssystem umgestellt hat und daher nicht mehr lokal funktioniert)

Bei Weblock: folgende Domains zur Ausnahmeliste hinzufügen, damit der Appstore wieder geht (aktuelle Liste unter https://support.apple.com/de-de/HT201999):
albert.apple.com
evintl-ocsp.verisign.com
ax.itunes.apple.com
evsecure-ocsp.verisign.com
deimos3.apple.com
*.amazonaws.com
gg*.apple.com
*.symcb.com
gs.apple.com
*.symcd.com
itunes.apple.com
*.itunes.apple.com
phobos.apple.com
skl.apple.com

  1. Nun die Domains appldnld.apple.com, xp.apple.com, mesu.apple.com, mesu.g.aaplimg.com, mesu-cdn.apple.com.akadns.net, e1329.g.akamaiedge.net, mesu.apple.com.edgekey.net,  www.icloud.com und setup.icloud.com auf die Sperrliste setzen (alternativ: icloud.com auf die Sperrliste und caldav.icloud.com auf die Ausnahmeliste, wenn das Programm das zuläßt). Wer iCloud benutzt, muß versuchen, ob das dann so noch geht – das kann ich hier nicht testen…
  2. Reset des DNS-Caches: Bei Privacy Pro in der App selbst, sonst eine der folgende Optionen nutzen:
    1. Aktivieren und Deaktivieren des Flugmodus. Reicht fast immer. Teilweise kann es jedoch sein, das permanente Einträge im DNS-Cache nicht korrekt entfernt werden.
    2. Löschen der Netzwerkeinstellungen über “Einstellungen -> Allgemein -> Zurücksetzen -> Netzwerkeinstellungen”.
    3. kompletter Neustart des Gerätes.
  3. Neustarten aller Apps und dem Neuverbinden hat das Telefon unter Einstellungen – Allgemeines – Update nur noch eine Fehlermeldung gebracht.
  4. Ein eventuell bereits heruntergeladenes Update wird man wieder los, indem man unter “Einstellungen -> Allgemein -> Speicher- und iCloud-Nutzung -> Speicher verwalten” das Update in der Liste auswählt und löscht.

Ziel erreicht, Ruhe vor dem Update :-)

Testen kann man das, indem man in den Systemeinstellungen nach einem Update suchen läßt, Findet er nix, hat man gewonnen.

Hinweise: je nachdem, was Apple mi seinen Servern anstellt, können zeitweise auch App-Updates geblockt werden. Da sollte man gelegentlich drauf schauen bzw. dran denken, wenn man eine neue App kaufen will und es einfach nicht klappt.
Und: dieser Beitrag scheint zwar nach aktuellem Wissensstand komplett und richtig, wird aber aktualisiert werden, wenn den Meister mal ein dazugehöriger Blitz der Erleuchtung treffen sollte. Also: wiederkommen!


Brummsel und Gamepad dazu

Ziemlich genau zweiundzwanzig Jahre.

So lange ist es her, daß ich zuletzt einen funkferngesteuerten Flieger in den Fingern hatte. Damals den Motorsegler eines Freundes – mit NiCd-Akkus und der sagenhaften Flugzeit von drei Minuten. Dann mußte der Akkupack wieder für acht Stunden geladen werden, und das war schon beschleunigtes Laden – Babyzellen halt.

Damals hab ich das ein-, zweimal ausprobiert, hatte aber schnell die Nase voll davon, für höchstens sechs Minuten Fliegen (das mit dem “Segeln” haben wir bei dem Ding nie hinbekommen…) so einen Aufwand zu treiben. “Wenn die Dinger mal zehnmal so lange in der Luft bleiben und dabei bezahlbar sind, komm ich wieder”, das war des Meisters Gedanke.

Wir überspringen zweiundzwanzig Jahre technologische Entwicklung (MP3, optische Mäuse, Flachbildschirme, Smartphones, GPS, um nur ein paar Kleinigkeiten zu nennen): jetzt sind sie soweit – na ja, fast jedenfalls, aber seien wir mal nicht so; 25 Minuten Flugzeit darf man großzügig aufrunden.

Also hab ich mir passend zum Geburtstag etwas Spielzeug gegönnt. Beide Exemplare französischer Provenienz, eins (dat kleine) zum Üben, und eins (dat große, eine Bebop 2) als “The Real Thing”.Brummsel und Gamepad dazu

Was soll ich sagen? Die Teile sind neben dem unvermeidlichen Gyrokreisel vollgepackt mit Sensoren (GPS, Bodenkamera, Barometer, Ultraschall…), damit schon fast idiotisch einfach zu fliegen – und machen echt Spaß!

Einziger kleiner Haken (und der Grund, warum das hier unter “Maschinismen” gelistet ist)…:


Stofftransporter der Singer 600

Mal etwas für die Unimat, das nicht reiner Selbstzweck ist: Wir tunen einen Stofftransporter! Wat is dat? Der Stofftransporter ist das Teil einer Nähmaschine, das mit kleinen Zähnen den Stoff packt und zwischen den Nadelbewegungen weiter in die gewünschte Richtung juckelt.

Des Meisters Nähmaschine ist ja nun nicht mehr das frischeste Semester (Baujahr irgendwann zwischen 1960 und 65), und in den letzten Jahrzehnten haben die Hersteller dieser Gerätschaften neben vielen Kosteneinsparungen auch ein paar Verbesserungen angebracht.

Als mir also mal wieder die nach heutigen Maßstäben eher dürftige Leistung des Stofftransporters der alten Dame auf die Eier ging, wurde die neuzeitliche Bernina meiner Freundin unter die Lupe genommen. Vielleicht sind die Zähne bei meiner ja stumpf…?

Mitnichten: Die Zacken der Bernina sind kaum schärfer als die der alten Singer – aber sie haben 0,5mm breite Längsrillen, die den Stoff offenbar besser festhalten.

Ich habe einen Ersatz-Stofftransporter, ich habe eine Maschine, die die Rillen machen kann – also wird das ausprobiert. Stofftransporter ausbauen – und los gehts:

Stofftransporter1


Ein neuer Fräsmotor für die Unimat 3…

… das war des Meisters Ziel, als der originale Emco-Motor nicht mehr wollte. Der ja schon erneuerte Motor für die Drehbank ist schön und läuft perfekt – aber er ist für den Fräskopf einfach die entscheidenden paar Zentimeter zu lang und kollidiert daher immer mit dem Werkstück.

Der Motor sollte

  • die Drehzahl (5000 U/min im Uhrzeigersinn) des alten wenigstens erreichen
  • keinesfalls größer sein
  • bitteschön Dauerbetrieb schaffen
  • und bezahlbar sein.

Also ward gesucht, gesucht und nochmal gesucht – vergeblich. Emco bietet selbst nix mehr an, und das einzige, was man kriegt, ist ein Motörchen aus England für knappe 300 Euro… geht das nicht billiger? Mit der etwas unglücklichen Leistungsentfaltung einer Universalmotors kann man beim Fräsen doch eigentlich leben…

Nach einer Weile stieß ich bei Ebay und bei einem Onlinehändler auf “Mini”-Schleifböcke, konstruiert und zusammengeklöppelt von garantiert ahnungslosen Chinesen. Von den Maßen her sind die prima und es stecken sogar Permanentmagnetmotoren drin (für die Unwissenden: gleichbedeutend mit “mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen”), aber die Verarbeitung, oh Graus, oh Graus: der erste hatte chronischen Schluckauf in der Drehzahlregelung. Ein zweiter, endlose acht Wochen später als Ersatz gelieferter erfreute des Meisters Aug’ und Ohr beim ersten Einschalten mit einem herzhaften “PAFF!” und einer kleinen blauen Stichflamme aus dem Sockel heraus… worauf dann der Stecker gezogen, die Haussicherung wieder aktiviert, das Unglücksgerät zurückgeschickt und von einer erneuten Ersatzlieferung freundlichst abgesehen wurde… mal sehen, ob die Rücküberweisung nun auch wieder acht Wochen dauert (edit: ja -.-).

Der zweite Kandidat: In die gleiche Richtung hat auch Einhell gedacht, als sie sich ihren kleinen Schleifbock “TH-XG 75” ausgedacht haben. Generell ist diese Firma nun auch nicht die Crème de la Crème des deutschen Werkzeugmaschinenbaus – aber immerhin hat da mal ein fähiger Konstrukteur einen kritischen Blick drauf geworfen. Bestellt, ausprobiert: jawohl, das Ding läuft und regelt sauber… und kostet nicht mal 60€. Dann entfernen wir doch erst mal diese nutzlosen Anbauteile:

Motor1

Und nun folgt die Verwandlung…:


Wieder da.

Der Zahnstocher ist zurück. Hat sich gelohnt – zweimal “richtig”: richtig scharf und richtig glänzend. Der Handwerker war wohl ein echter Treffer: Bundessieger, jüngster Meister seines Berufs, Hoflieferant des mongolischen Prinzen und der bahrainischen Königs…Respekt. Hat aber auch absolut saubere Arbeit geleistet.

Und wenn ich mal nix besseres vor und eine Portion Geld übrig hab, wird der Pieker noch graviert. Da hat der Mann nämlich jemanden an der Hand, der genauso gut ist. Dolchtattoo sozusagen…


Dolchdemontage

Mal was eher seltenes: Wie zum Geier kriegt man einen Dolch auseinander?

Hintergrund des Rätsels war… nein, keine antike Waffe, sondern ein durchaus neuzeitlicher Nachbau: ein “italienischer Dolch” von Cold Steel, der seinen Weg zum Meister fand, ohne jedoch im geringsten dessen Ansprüchen an “scharf” zu genügen.
Nachdem bei dem Untierchen aber die Klinge bis zur Parierstange durchgehend ist, kann man das nicht einfach nachschleifen – der zu diesem Behufe interviewte, auf derlei Künste spezialisierte Mensch war da sehr deutlich.

Cold Steel hat da eigentlich mitgedacht – der Knauf und damit der Griff ist verschraubt, so daß man das eigentlich zerlegen können müßte. Eigentlich… leider ist aber nach dem Knauf schon wieder Schluß: der indische Auftragsfertiger hat offensichtlich beschlossen, daß er doch lieber zusätzlich Klebstoff benutzen möchte – und davon reichlich, der Griff ist fast über die gesamte Länge an die Angel geklebt. Prügeln mit dem Hammer nutzt da ebensowenig wie ein Abzieher.

Was also tun? Ganz einfach…


Dusche aufbohren À la guatemaltèca 2

… und genau dem dargestellten Exemplar ging es dann auch an den Kragen.

man nehme eine deutsche Dusche, eine deutsche Duschstange, einen deutschen Einhebelmischer und deutsche Rohre. Und man packe eine Feuchtraum-Klemmdose sowie eine Ladung Fischerdübel und rostbeständige Schrauben ein. Diese schleppe man über den Atlantik (freue sich dabei über die Freigepäckmenge der Business Class, so ein Wasserhahn ist schwer!).

Nun suche man sich im Zielland weitere (hitzebständige!) Rohre, einen kleinen Speicherboiler und Gewindeadapter zum deutschen System – gibts tatsächlich im gutsortierten Fachhandel. Sogar mit Überdruckventil (wird extra angepriesen…). Dafür ohne jede Befestigungsmöglichkeit. Der Verkäufer begegnet der Frage nach einem Wandhalter mit Unverständnis: Wofür das denn gut sei, solch ein Gerät stelle man doch auf den Boden…?
Nur: niemals, niemals, auf gar keinen Fall das Wort “Dusche” in den Mund nehmen! Wann immer man das tut, erscheint nämlich ein Lächeln auf dem
Gesicht des bis dato angestrengt zuhörenden sowie, beim Versuch herauszufinden,
was der seltsame, aber offenbar zahlungskräftige Deutsche denn bei allen Göttern machen will leicht verwirrt blickenden Verkäufers – und dann man mindestens 10 Minuten an Erklärungen verloren.
Warum? “Dusche” ist sozusagen ein anerzogenes Triggerwort, auf das der Verkäufer vollautomatisch einem Pawlowschen Hund gleich anfängt zu sabbern jede Hirntätigkeit einstellt… und ein Lorenzetti herausholt.

Hat man dieses vollbracht, klappere man als nächste Herausforderung die gesamte Stadt nach Feuchtraumkabel ab. Dieses hoffnungslose Unterfangen gebe man irgendwann auf, erstehe stattdessen normale Drähte, und kaufe dann alle (vier Stück) in der gesamten Stadt verfügbaren ausreichend groß dimensionierten Lüsterklemmen auf (warum? Der Boiler läuft ja mit 220V, also mit 2x gegenphasigen 110V, und weil das mehr Spannung ist, sind die Leute da auch der Meinung, daß man dafür unbedingt dickere Drähte benötige…)

Wieder zuhause, erkläre man einem ortsansässigen Schlosser, daß man tatsächlich den Boiler an die Wand hängen will, daß man es wirklich blöd findet, ihn auf den Boden ins Nasse zu stellen oder ein Podest dafür zu mauern (und daß es einem egal ist, daß der Rest der dortigen Welt das so tut), daß der Wandhalter  – und daß man allen Ernstes eine freitragende Querstange für einen Schutzvorhang (so was unnützes, da kann man ja gar keinen Stromschlag mehr kriegen!) für den Boiler haben will.

Nachdem der Schlosser im dritten Versuch etwas beigebracht hat, das der ursprünglichen Intention zumindest nahekommt, montiere man das Konstrukt an der Wand und teste das Podest, indem man sich mit ordentlich Schwung draufstellt. Überlebt es das, ohne sich zu verbiegen, baue man schlußendlich alles zusammen, besorge vom Automechaniker noch einen Sicherheitsgurt, baue den zu einem Spannband um – und freue sich über gleichmäßig warmes und nach Belieben regelbares Wasser.

Duschenachher

Selten wußte ich eine Dusche so zu schätzen.

Nachtrag: Die laut Aufschrift auf dem Boiler jährlich zu wechselnde Opferanode gibt es laut Händler nicht einzeln zu kaufen – man solle doch im Fall des Falles einen neuen Boiler erwerben (!). Mal sehen, ob der costaricanische Hersteller die vielleicht direkt rausrückt oder eine Bezugsquelle in Guatemala weiß.
Das deckt sich nahtlos mit den Erfahrungen des Meisters: Irgendwann hatten wir da mal gute Braun-Elektrozahnbürsten in einem großen Kaufhaus entdeckt. Muttern freut sich, weil sie so eine besitzt und Ersatzzahnbürstenköpfe braucht. Gesucht, nix gefunden, nachgefragt: Ja nee, da seien zwei Stück dabei, und dann solle man doch ein neues Gerät kaufen…