Kategorie: Mechanohacked

Wirklich passende Wacom-Ersatzminen

Nach gut einer Woche Wacom Intuos Pro kann ich zwei Sachen bestätigen:

  1. Das Teil ist echt angenehm in der Handhabung. Meine Maus vermisse ich (nach etwas Anpasserei im Treiber) überraschenderweise nicht im geringsten.
  2. diejenigen, die bei den Amazon-Rezensionen und sonstwo rumzetern, daß sich die Minen von Wacom unglaublich schnell abnutzen, haben recht. Man kann es nicht anders sagen – selbst bei mir sehe ich nach diesen sieben Tagen bereits eine kleine, aber klar erkennbare Abflachung der Mine. Da will ich gar nicht wissen, wie das bei jemandem aussieht, der tagein, tagaus mit dem Ding zeichnet.

Nun kann man natürlich drüber schimpfen und ansonsten regelmäßig Wacom sieben bis neun Euronen für einen Fünferpack Stiftspitzen schenken, die im Grunde ihres Herzens auch nur 27mm lange Plastikstifte mit einer abgerundeten Seite sind…

Es scheint daher durchaus einige Leute zu geben, die davon nicht so viel halten und nach Alternativen gesucht haben: Von der 1,65mm-Rasentrimmerschnur bis hin zu Nudeln ist vor den verzweifelten Zeichnern scheinbar nichts sicher.

Das paßt aber irgendwie alles nicht so richtig – die originalen Wacom-Minen haben (an den bei meinem Tablett migelieferten gemessen) einen Durchmesser zwischen 1,75 und 1,85mm. Packt man da was dünneres rein, wird das zunehmend wackelig. Und die Rasentrimmerschnur gibt es außerdem nur in ekligen Farben.

Also Augen auf, weitersuchen – und finden: man kriegt tatsächlich 1,8mm dicke, schwarze Nylonmonofilamentschnur, die damit exakt als Ersatz für die Originalspitzen taugt. Im Fischereibedarf!

Ich hab mir nun mal fünf Meter bestellt – das sollte für die nächsten Jahre reichen und kostet trotz Paketversand nicht mehr als eine Packung Wacom-Minen. Minen macht man daraus genauso wie aus der Rasentrimmerschnur – gerade und auf Maß abschneiden, dann ein Ende rundfeilen, schleifen oder -drehen.

… und noch eine völlig unzusammenhängende Erkenntnis: man kann tatsächlich auch Essen verkarotten. Heute so $Mylady passiert.

Edit – des Meisters Empfehlung (Link oben aktualisiert): Rob Allen Monofilament Ø1,8mm Black Mako. Perfekter Durchmesser, beinahe dieselbe Härte und dieselbe Farbe wie die Wacom-Minen.


iOS 10 behalten ohne Update-Nerverei

iOS 11 ist da. Und wie schon geschrieben – ich mag es nicht: nur noch 64Bit-Apps, keine App-Verwaltung mehr im iTunes (und so, wie es aussieht, auch keine neue App-Verwaltung als eigenes Programm), und zu allem Überfluß auch keine systemweiten VPN-Proxy-Firewallprogramme mehr, mit denen man das gesamte Handy werbefrei kriegt.

Also bei iOS 10 bleiben. Nur wie kriegt man das Telefon dazu, einem nicht täglich das Update aufs Auge drücken zu wollen?

Hier kommt der Werbeblocker ins Spiel, der bei iOS 10 ja noch geht. Wenn man einen solchen im Einsatz hat, kann man einfach den Apple-Updateserver aussperren – und prompt (ggf. nach dem Löschen des zwischengespeicherten Updates in den Einstellungen) gibt das Telefon Ruhe.

Wie macht man das?

  1. Werbeblocker installieren. Ich kenne derer drei:
    • Adblock von Futuremind (erst kürzlich gefunden, aber dem ersten Eindruck nach der Blocker mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis. Ergänzung: Läuft nach über einem Monat Testen wunderbar, bis auf zwei Einschränkungen: nach einem Geräteneustart kommt er nicht von allein in die Pötte. Und wenn man ihn nicht immer wieder mal aufruft, schaltet er sich von selber ab. Ansonsten fehlt: Zurücksetzen des DNS-Cache und eine Logdatei aller Verbindungen letztere ist seit Version 4 ergänzt!, und sie haben den von Apple verbotenen VPN-Proxy kurzerhand durch einen DNS-Proxy ersetzt, der im Endeffekt dasselbe tut und auch auf iOS 11 läuft. Glückwunsch!),
    • Disconnect Pro Privacy (viel zu teuer, auch weil man die Filterliste erst per In-App-Kauf erwerben muß, mit Schwächen bei der deutschen Übersetzung, aber: sehr zuverlässig – einmal anschalten und dann vergessen, in einem ersten Test selbst nach einem Reboot. Und mit einer sehr nützlichen Logdatei aller Verbindungen, aus der mal neue Sperren erstellen kann. Nur zu empfehlen, wenn die App mal im Angebot ist),
    • Weblock (günstig, mit Whitelist, aber ohne Logdatei, hat einige Tücken wie z.B. daß ab und an die Filterung einfach mal aussetzt, man den DNS-Cache vom iPhone nicht einfach zurücksetzen kann – und daß man den Appstore erst mal wieder zum Laufen bringen muß) gestrichen, die haben Apple ebenfalls nachgegeben und die VPN-Filterung ersatzlos abgeschafft
    • und Adguard Pro (soll sehr gut funktionieren, systemweite Filterung aber erst nach ein paar Tricks, muß man googlen)(gestrichen, weil die App offenbar unter Druck von Apple auf ein anderes Filterungssystem umgestellt hat und daher nicht mehr lokal funktioniert)

Bei Weblock: folgende Domains zur Ausnahmeliste hinzufügen, damit der Appstore wieder geht (aktuelle Liste unter https://support.apple.com/de-de/HT201999):
albert.apple.com
evintl-ocsp.verisign.com
ax.itunes.apple.com
evsecure-ocsp.verisign.com
deimos3.apple.com
*.amazonaws.com
gg*.apple.com
*.symcb.com
gs.apple.com
*.symcd.com
itunes.apple.com
*.itunes.apple.com
phobos.apple.com
skl.apple.com

  1. Nun die Domains appldnld.apple.com, xp.apple.com, mesu.apple.com, mesu.g.aaplimg.com, mesu-cdn.apple.com.akadns.net, e1329.g.akamaiedge.net, mesu.apple.com.edgekey.net,  www.icloud.com und setup.icloud.com auf die Sperrliste setzen (alternativ: icloud.com auf die Sperrliste und caldav.icloud.com auf die Ausnahmeliste, wenn das Programm das zuläßt). Wer iCloud benutzt, muß versuchen, ob das dann so noch geht – das kann ich hier nicht testen…
  2. Reset des DNS-Caches: Bei Privacy Pro in der App selbst, sonst eine der folgende Optionen nutzen:
    1. Aktivieren und Deaktivieren des Flugmodus. Reicht fast immer. Teilweise kann es jedoch sein, das permanente Einträge im DNS-Cache nicht korrekt entfernt werden.
    2. Löschen der Netzwerkeinstellungen über “Einstellungen -> Allgemein -> Zurücksetzen -> Netzwerkeinstellungen”.
    3. kompletter Neustart des Gerätes.
  3. Neustarten aller Apps und dem Neuverbinden hat das Telefon unter Einstellungen – Allgemeines – Update nur noch eine Fehlermeldung gebracht.
  4. Ein eventuell bereits heruntergeladenes Update wird man wieder los, indem man unter “Einstellungen -> Allgemein -> Speicher- und iCloud-Nutzung -> Speicher verwalten” das Update in der Liste auswählt und löscht.

Ziel erreicht, Ruhe vor dem Update 🙂

Testen kann man das, indem man in den Systemeinstellungen nach einem Update suchen läßt, Findet er nix, hat man gewonnen.

Hinweise: je nachdem, was Apple mi seinen Servern anstellt, können zeitweise auch App-Updates geblockt werden. Da sollte man gelegentlich drauf schauen bzw. dran denken, wenn man eine neue App kaufen will und es einfach nicht klappt.
Und: dieser Beitrag scheint zwar nach aktuellem Wissensstand komplett und richtig, wird aber aktualisiert werden, wenn den Meister mal ein dazugehöriger Blitz der Erleuchtung treffen sollte. Also: wiederkommen!


Brummsel und Gamepad dazu

Ziemlich genau zweiundzwanzig Jahre.

So lange ist es her, daß ich zuletzt einen funkferngesteuerten Flieger in den Fingern hatte. Damals den Motorsegler eines Freundes – mit NiCd-Akkus und der sagenhaften Flugzeit von drei Minuten. Dann mußte der Akkupack wieder für acht Stunden geladen werden, und das war schon beschleunigtes Laden – Babyzellen halt.

Damals hab ich das ein-, zweimal ausprobiert, hatte aber schnell die Nase voll davon, für höchstens sechs Minuten Fliegen (das mit dem “Segeln” haben wir bei dem Ding nie hinbekommen…) so einen Aufwand zu treiben. “Wenn die Dinger mal zehnmal so lange in der Luft bleiben und dabei bezahlbar sind, komm ich wieder”, das war des Meisters Gedanke.

Wir überspringen zweiundzwanzig Jahre technologische Entwicklung (MP3, optische Mäuse, Flachbildschirme, Smartphones, GPS, um nur ein paar Kleinigkeiten zu nennen): jetzt sind sie soweit – na ja, fast jedenfalls, aber seien wir mal nicht so; 25 Minuten Flugzeit darf man großzügig aufrunden.

Also hab ich mir passend zum Geburtstag etwas Spielzeug gegönnt. Beide Exemplare französischer Provenienz, eins (dat kleine) zum Üben, und eins (dat große, eine Bebop 2) als “The Real Thing”.

Was soll ich sagen? Die Teile sind neben dem unvermeidlichen Gyrokreisel vollgepackt mit Sensoren (GPS, Bodenkamera, Barometer, Ultraschall…), damit schon fast idiotisch einfach zu fliegen – und machen echt Spaß!

Einziger kleiner Haken (und der Grund, warum das hier unter “Maschinismen” gelistet ist)…:

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Stofftransporter der Singer 600

Mal etwas für die Unimat, das nicht reiner Selbstzweck ist: Wir tunen einen Stofftransporter! Wat is dat? Der Stofftransporter ist das Teil einer Nähmaschine, das mit kleinen Zähnen den Stoff packt und zwischen den Nadelbewegungen weiter in die gewünschte Richtung juckelt.

Des Meisters Nähmaschine ist ja nun nicht mehr das frischeste Semester (Baujahr irgendwann zwischen 1960 und 65), und in den letzten Jahrzehnten haben die Hersteller dieser Gerätschaften neben vielen Kosteneinsparungen auch ein paar Verbesserungen angebracht.

Als mir also mal wieder die nach heutigen Maßstäben eher dürftige Leistung des Stofftransporters der alten Dame auf die Eier ging, wurde die neuzeitliche Bernina meiner Freundin unter die Lupe genommen. Vielleicht sind die Zähne bei meiner ja stumpf…?

Mitnichten: Die Zacken der Bernina sind kaum schärfer als die der alten Singer – aber sie haben 0,5mm breite Längsrillen, die den Stoff offenbar besser festhalten.

Ich habe einen Ersatz-Stofftransporter, ich habe eine Maschine, die die Rillen machen kann – also wird das ausprobiert. Stofftransporter ausbauen – und los gehts:

Stofftransporter1

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Ein neuer Fräsmotor für die Unimat 3…

… das war des Meisters Ziel, als der originale Emco-Motor nicht mehr wollte. Der ja schon erneuerte Motor für die Drehbank ist schön und läuft perfekt – aber er ist für den Fräskopf einfach die entscheidenden paar Zentimeter zu lang und kollidiert daher immer mit dem Werkstück.

Der Motor sollte

  • die Drehzahl (5000 U/min im Uhrzeigersinn) des alten wenigstens erreichen
  • keinesfalls größer sein
  • bitteschön Dauerbetrieb schaffen
  • und bezahlbar sein.

Also ward gesucht, gesucht und nochmal gesucht – vergeblich. Emco bietet selbst nix mehr an, und das einzige, was man kriegt, ist ein Motörchen aus England für knappe 300 Euro… geht das nicht billiger? Mit der etwas unglücklichen Leistungsentfaltung einer Universalmotors kann man beim Fräsen doch eigentlich leben…

Nach einer Weile stieß ich bei Ebay und bei einem Onlinehändler auf “Mini”-Schleifböcke, konstruiert und zusammengeklöppelt von garantiert ahnungslosen Chinesen. Von den Maßen her sind die prima und es stecken sogar Permanentmagnetmotoren drin (für die Unwissenden: gleichbedeutend mit “mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen”), aber die Verarbeitung, oh Graus, oh Graus: der erste hatte chronischen Schluckauf in der Drehzahlregelung. Ein zweiter, endlose acht Wochen später als Ersatz gelieferter erfreute des Meisters Aug’ und Ohr beim ersten Einschalten mit einem herzhaften “PAFF!” und einer kleinen blauen Stichflamme aus dem Sockel heraus… worauf dann der Stecker gezogen, die Haussicherung wieder aktiviert, das Unglücksgerät zurückgeschickt und von einer erneuten Ersatzlieferung freundlichst abgesehen wurde… mal sehen, ob die Rücküberweisung nun auch wieder acht Wochen dauert (edit: ja -.-).

Der zweite Kandidat: In die gleiche Richtung hat auch Einhell gedacht, als sie sich ihren kleinen Schleifbock “TH-XG 75” ausgedacht haben. Generell ist diese Firma nun auch nicht die Crème de la Crème des deutschen Werkzeugmaschinenbaus – aber immerhin hat da mal ein fähiger Konstrukteur einen kritischen Blick drauf geworfen. Bestellt, ausprobiert: jawohl, das Ding läuft und regelt sauber… und kostet nicht mal 60€. Dann entfernen wir doch erst mal diese nutzlosen Anbauteile:

Motor1

Und nun folgt die Verwandlung…:

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Wieder da.

Der Zahnstocher ist zurück. Hat sich gelohnt – zweimal “richtig”: richtig scharf und richtig glänzend. Der Handwerker war wohl ein echter Treffer: Bundessieger, jüngster Meister seines Berufs, Hoflieferant des mongolischen Prinzen und der bahrainischen Königs…Respekt. Hat aber auch absolut saubere Arbeit geleistet.

Und wenn ich mal nix besseres vor und eine Portion Geld übrig hab, wird der Pieker noch graviert. Da hat der Mann nämlich jemanden an der Hand, der genauso gut ist. Dolchtattoo sozusagen…


Dolchdemontage

Mal was eher seltenes: Wie zum Geier kriegt man einen Dolch auseinander?

Hintergrund des Rätsels war… nein, keine antike Waffe, sondern ein durchaus neuzeitlicher Nachbau: ein “italienischer Dolch” von Cold Steel, der seinen Weg zum Meister fand, ohne jedoch im geringsten dessen Ansprüchen an “scharf” zu genügen.
Nachdem bei dem Untierchen aber die Klinge bis zur Parierstange durchgehend ist, kann man das nicht einfach nachschleifen – der zu diesem Behufe interviewte, auf derlei Künste spezialisierte Mensch war da sehr deutlich.

Cold Steel hat da eigentlich mitgedacht – der Knauf und damit der Griff ist verschraubt, so daß man das eigentlich zerlegen können müßte. Eigentlich… leider ist aber nach dem Knauf schon wieder Schluß: der indische Auftragsfertiger hat offensichtlich beschlossen, daß er doch lieber zusätzlich Klebstoff benutzen möchte – und davon reichlich, der Griff ist fast über die gesamte Länge an die Angel geklebt. Prügeln mit dem Hammer nutzt da ebensowenig wie ein Abzieher.

Was also tun? Ganz einfach…

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Dusche aufbohren À la guatemaltèca 2

… und genau dem dargestellten Exemplar ging es dann auch an den Kragen.

man nehme eine deutsche Dusche, eine deutsche Duschstange, einen deutschen Einhebelmischer und deutsche Rohre. Und man packe eine Feuchtraum-Klemmdose sowie eine Ladung Fischerdübel und rostbeständige Schrauben ein. Diese schleppe man über den Atlantik (freue sich dabei über die Freigepäckmenge der Business Class, so ein Wasserhahn ist schwer!).

Nun suche man sich im Zielland weitere (hitzebständige!) Rohre, einen kleinen Speicherboiler und Gewindeadapter zum deutschen System – gibts tatsächlich im gutsortierten Fachhandel. Sogar mit Überdruckventil (wird extra angepriesen…). Dafür ohne jede Befestigungsmöglichkeit. Der Verkäufer begegnet der Frage nach einem Wandhalter mit Unverständnis: Wofür das denn gut sei, solch ein Gerät stelle man doch auf den Boden…?
Nur: niemals, niemals, auf gar keinen Fall das Wort “Dusche” in den Mund nehmen! Wann immer man das tut, erscheint nämlich ein Lächeln auf dem
Gesicht des bis dato angestrengt zuhörenden sowie, beim Versuch herauszufinden,
was der seltsame, aber offenbar zahlungskräftige Deutsche denn bei allen Göttern machen will leicht verwirrt blickenden Verkäufers – und dann man mindestens 10 Minuten an Erklärungen verloren.
Warum? “Dusche” ist sozusagen ein anerzogenes Triggerwort, auf das der Verkäufer vollautomatisch einem Pawlowschen Hund gleich anfängt zu sabbern jede Hirntätigkeit einstellt… und ein Lorenzetti herausholt.

Hat man dieses vollbracht, klappere man als nächste Herausforderung die gesamte Stadt nach Feuchtraumkabel ab. Dieses hoffnungslose Unterfangen gebe man irgendwann auf, erstehe stattdessen normale Drähte, und kaufe dann alle (vier Stück) in der gesamten Stadt verfügbaren ausreichend groß dimensionierten Lüsterklemmen auf (warum? Der Boiler läuft ja mit 220V, also mit 2x gegenphasigen 110V, und weil das mehr Spannung ist, sind die Leute da auch der Meinung, daß man dafür unbedingt dickere Drähte benötige…)

Wieder zuhause, erkläre man einem ortsansässigen Schlosser, daß man tatsächlich den Boiler an die Wand hängen will, daß man es wirklich blöd findet, ihn auf den Boden ins Nasse zu stellen oder ein Podest dafür zu mauern (und daß es einem egal ist, daß der Rest der dortigen Welt das so tut), daß der Wandhalter  – und daß man allen Ernstes eine freitragende Querstange für einen Schutzvorhang (so was unnützes, da kann man ja gar keinen Stromschlag mehr kriegen!) für den Boiler haben will.

Nachdem der Schlosser im dritten Versuch etwas beigebracht hat, das der ursprünglichen Intention zumindest nahekommt, montiere man das Konstrukt an der Wand und teste das Podest, indem man sich mit ordentlich Schwung draufstellt. Überlebt es das, ohne sich zu verbiegen, baue man schlußendlich alles zusammen, besorge vom Automechaniker noch einen Sicherheitsgurt, baue den zu einem Spannband um – und freue sich über gleichmäßig warmes und nach Belieben regelbares Wasser.

Duschenachher

Selten wußte ich eine Dusche so zu schätzen.

Nachtrag: Die laut Aufschrift auf dem Boiler jährlich zu wechselnde Opferanode gibt es laut Händler nicht einzeln zu kaufen – man solle doch im Fall des Falles einen neuen Boiler erwerben (!). Mal sehen, ob der costaricanische Hersteller die vielleicht direkt rausrückt oder eine Bezugsquelle in Guatemala weiß.
Das deckt sich nahtlos mit den Erfahrungen des Meisters: Irgendwann hatten wir da mal gute Braun-Elektrozahnbürsten in einem großen Kaufhaus entdeckt. Muttern freut sich, weil sie so eine besitzt und Ersatzzahnbürstenköpfe braucht. Gesucht, nix gefunden, nachgefragt: Ja nee, da seien zwei Stück dabei, und dann solle man doch ein neues Gerät kaufen…


Dusche aufbohren À la guatemaltèca 1

Wie schon geschrieben, sind die Brausen der Mittelamerikaner etwas… anders:

In seiner unendlichen Weisheit kam ein ungenannter Mensch, möglicherweise ein Italiener, einst auf die Idee, einen Duschkopf und einen Tauchsieder unterschiedlichen Geschlechts zusammen in einen Käfig zu sperren, gut zu füttern und beide zur Paarung anzuregen. Das Ergebnis, das wahrlich nur eine Mutter lieben kann, nannte er… Lorenzetti.

Während Lorenzetti in Europa dank stärkerer endemischer Feinde (Zentralheizung, TÜV, gesunder Menschenverstand) nicht Fuß fassen konnte, vermehrte es sich insbesondere in Mittelamerika prächtig und ist dort in seinem natürlichen Habitat – meist an der Wand hängend – vielfach zu finden.

Duschevorher

Wie im Bild gut zu erkennen; zeichnet sich ein echtes Lorenzetti durch folgende Details aus:

  • Kaltwasserrohr mit daraufliegender Netzspannungsleitung aus der Wand kommend. Im Bild nicht sichtbar werden diese unmittelbar hinter dem Lorenzetti mit zwei etwa 10cm kurzen kurzen drahtigen Auswüchsen des Lorenzetti freifliegend verdrillt, um ihm Nahrung in Form von Strom zu geben.
  • Schiebeschalter mit meist drei Positionen, dessen Sinn trotz erheblicher Anstrengungen bis heute nicht ergründet werden konnte
  • das Lorenzetti selbst ist meist weniger beweglich als ein Faultier, daher ist eine flexible Arschbrause am eigentlichen Lorenzetti als Auswuchs angebracht

Ein lebendiges Lorenzetti kann man mangels Bewegung nur erkennen, indem man Wasser durch es schickt.
Bei nur geringer Intensität des Wasserstrahls, der offenbar bevorzugten Umgebung des Lorenzetti, pisst es dann entweder durch seine Unterseite und durch die angewachsene Arschbrause ein je nach Stellung des Schalters lauwarmes oder kaltes Rinnsal aus, wobei es lautstark vor sich hin gurgelt. Bei älteren Exemplaren kommt dabei häufig ein durchdringender Geruch nach verschmortem Kunststoff von den völlig überlasteten Anschlußdrahtauswüchsen hinzu. Ob die Gurgelgeräusche der Kommunikation mit dem Benutzer dienen oder Weibchen anlocken sollen, ist unbekannt.
Bei stärkerem Wasserfluß ist ein lebendiges Lorenzetti ebenso wie ohne Wasserfluß vom Laien nicht mehr direkt von einem toten Lorenzetti zu unterscheiden. Bei beiden kommt das Wasser genauso kalt heraus, wie es hineingeflossen ist. Der Fachmann kann gleichwohl bei adulten Exemplaren noch einen Unterschied durch den Geruch erkennen.

Und nun kommt der Maschinist ins Spiel. Als Europäer bin ich sozusagen genetisch als Feind des Lorenzetti festgelegt…


Jetzt nimmt Fritz auch den Dänen.

Was das alte Phon nicht so alles mitmacht: Erst kriegt es ein Upgrade auf Tonwahl – und jetzt muß es auch noch mit der Fritzbox klarkommen. Der Meister will gewappnet sein, wenn die Teledoof in ein paar Jahren auf IP umstellt.

Man denkt sich nun: Tonwahl kanns, also umstecken und gut. Vielleicht kriegt es die moderne Technik nicht hin, die alte Kingel anzutreiben; immerhin hat der Telefonanschluß dafür bis zu 60V zur Verfügung und die Fritzbox nur derer zwölf. Also den Dänen an die Fritzbox geklemmt, mich selbst angerufen, gefreut, als es schellte und alles so gelassen.

Und dann wollte ich telefonieren. Also fröhlich die Nummer gewählt; das Gegenüber nimmt ab: "Hallo? – Hallo? – Hallo?!" – und legt wieder auf. Zähneknirschend griff der Meister erst einmal (es mußte schnell gehen) zu dem neuzeitlichen Ding mit Tasten, das $mylady als ihr Festnetztelefon bezeichnet…

So zwanzig Telefonate mit mir selbst später war dann klar, daß die Sprechkapsel (das ist bei den alten Telefonen entweder ein mehr oder weniger krächzendes Kohlemikrofon oder aber eine sogenannte Transistorsprechkapsel, also eine kleine Blechdose mit Mikrofon und Vorverstärker) die Fritzbox nicht leiden konnte: Mit dem originalen Kohlemikrofon konnte mich ein Gegenüber zwar gerade so verstehen, die Transistorsprechkapsel blieb aber stumm. Natürlich nicht ganz: Wenn $mylady ins Telefon reinbrüllte, kam ein "….krzzSTEHSkrz…krxICH JEkrkrz…" an…

Ist die vielleicht kaputt…?

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