Kategorie: Schwarz

“Grey’s Asylum”

Ein Fund aus der Sponti-Wochenschau: Grey’s Asylum, eine Art Grufti-Muppetshow. Da hat sich jemand echt Mühe gegeben – allein schon die ganzen Puppen zu basteln…

Des Meisters persönlicher Favorit ist eindeutig der Spruch des Tages, der Rest schwankt zwischen witzig und etwas anstrengend.

"Grey's Asylum"
Grey’s Asylum 1: Der Spruch des Tages


Tja, alter Bunker…

… jetzt bist Du wohl endgültig angezählt. Einmal bist Du ja schon auferstanden, aber nun siehts endgültig duster aus.

In meinen Träumen warst Du irgendwie für immer da, schließlich gibts Dich schon, seit ich drei Jahre alt war. Wie oft haben wir gescherzt, daß wir irgendwann mit Gehhilfe und Rollstuhl auf Deiner Tanzfläche rumwackeln…

Dir verdanke ich ungezählte schöne Abende, sportliche Betätigung und Gelächter.

Dir verdanke ich viele meiner Freunde.

Dir verdanke ich Trost, als es mir richtig scheiße ging und mir zuhause die Decke auf den Kopf gefallen ist.

Dir verdanke ich meine Ehefrau.

Where you are läuft, ein guter Schwung Leute ist da, auch einige “alte”. Arne schilt mich, warum ich ihm nach zwanzig Jahren immer noch förmlich die Hand reiche statt ihn zu umarmen, wie er es mit Freunden macht.

Die alte Tanzordnung stellt sich irgendwie von selbst wieder ein… und ich hab jetzt schon nen Knoten im Hals.

Nutzen wir die paar Abende, die uns noch bleiben. Ehren wir Dich, ehren wir Deinen Daseinszweck: feiern bis zum Morgen.

Tja, alter Bunker...

Spontis

Da hat es doch tatsächlich mal wieder eine neue Seite in des Meisters Linksammlung geschafft – Spontis. Eine richtige kleine Community mit mehreren Autoren, und die einzige Seite, die ich kenne, die es hinbekommt, ihre Leser sogar zu angeregten Diskussionen in den Kommentaren bringt – ganz ohne Trolle.

Neu ist ein Gruft-Orakel. Der Meister ist demnach ein Ghoul, dem empfohlen wird, sich diesen Monat von Feuer fernzuhalten. Na, da soll ruhig einer ankommen. Dann wird das höchstherrschaftliche Maschinarium ausgepackt und eben schnell mittels Lötkolben, Taschenakkuschrauber, zwei Schokoladenalufolien, einer Flasche Shampoo und einer Portion Wahnsinn ein Tachyonenwirbelschaumlöscher gebaut!


Dear Satan…

… es weichnachtet ja mal wieder gar sehr, daher hier eine wunderschöne kleine Weihnachtsgeschichte als Video, vorgelesen von Patrick Steward himself :-)

https://vimeo.com/246983302


Tschö, Rudy.

:Wumpscut: ist Geschichte. Das muß man erst mal verdauen, nach 26 Jahren… auch wenn sich mit Blick auf die Hitliste leise die Frage aufdrängt, ob er sich mit seiner “jedes Jahr muß ein Album raus” nicht selber ein Bein gestellt hat. Ich jedenfalls habe mich auf jedes neue Album gefreut – und war dann in der letzten Zeit immer wieder  enttäuscht, wenn nicht was gutes dabei war…

Aber egal: Danke für viele verflucht gute Lieder.


In 10 Jahren nix gelernt

Meine lieben Herren von Agonoize,

es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder Ihr habt entgegen Euren eigenen Aussagen seit “Koprolalie” bisher immer noch nicht gelernt, das Hirn beim Verfassen Eurer Texte einzuschalten – oder aber die schlimmere Alternative: Ihr denkt in der Tat, dann muß man aber annehmen, daß Ihr mit den Rechten liebäugelt. 

Anders kann man den Text von “Deutsch” leider nicht deuten, auch wenn Ihr da drin behauptet, keine Rassisten zu sein.

Es spricht absolut nix dagegen, sich über mangelnden Integrationswillen aufzuregen. Aber: Ihr verbindet Ausländer mit Dreck, Drogen, schürt Ängste vor Überfremdung und Vertreibung.

Da könnt Ihr noch so oft das Gegenteil behaupten – wenn das keine rechtsradikalen Positionen sind, dann weiß ich auch nicht.

Gerade hatte ich Euch nach zehn Jahren “Koprolalie” einigermaßen verziehen. Jetzt habt Ihr es Euch noch nachhaltiger verschissen.

Ich danke jedem DJ, der Euch nicht spielt.

Ihr seid eine Schande für die Schwarze Szene!!


Der Beweis:

Cybergoths… am besten erstmal für die Uneingeweihten: das sind die mit den Fellpuscheln und den Lämpchen überall am Körper, deren großherzige Zuneigung vom Ret der Grufties am besten wohl mit diesem Pktogramm erklärt ist:

Der Beweis:

Nun, wie dem auch sei, diese laufenden Tannenbäume sind offenbar ansteckend – selbst Schuhleder wird infiziert. Man sehe sich nur mal an, was aus den guten New Rocks dieses Menschen hier geworden ist, als er (vermutlich aus Versehen?) auf einen draufgetreten sein muß: Der Beweis:

Zum Glück gibt es nicht mehr viele Überträger!


Gib mir mein Destillat…

Die alten Zeiten... vor Rauchverbot, Tanzverbot, Denkverbot...

Arne legt auf, für mich ein letztes Mal im BiGa. Er spielt “Destillat”, und zwar ohne es hochzupitchen… und ich tanze…

Bilder, die Worte spielen
und sich in Dir verlieren
um ganz still zu liegen
fragen und erinnern
sich auch an das Bett
auf dem der Knabe spielt
das in dem Keller steht
in dem der Mensch sich dreht…

… und tanze weiter… schließe die Augen… und eine wilde Mixtur an Erinnerungsfetzen aus meinen beiden “Wohnzimmern”, dem Steinbruch und dem BiGa, kommt hoch…

gib mir mein Destillat – gib mir mein’ Alltagstod

… ich sehe Sabrina in ihrem Punkerklamotten auf der Tanzfläche… Riedi steht am Tresen, geschminkt wie Crow, und guckt…

gib mir mein Gnadenbrot – zur Ewigkeit

… Elena kommt (wie immer) viel zu spät zur Tür rein…

da wird auch Zweifel sein – da wird Unglaube sein

die schwarzen Kacheln des BiGa verschwimmen mit der Tanzfläche vom Bruch…

da wird auch Zaudern sein – wir alle – einsam und allein…

… am DJ-Pult wechseln sich Lothar, Arne und Mirko ab…

Ein and’rer in mir schreit – schmerzvolles grosses Leid

… ich drehe mich um, tanze mit Sabine, 6100, Carpenoctem, Joschi, Dominic, Andrea und vielen anderen… sie tanzen an mir vorbei… tanzen um die Säule, die mitten auf der Tanzfläche ist…

Geburt und Schicksal weht – wie Lust an mir vorbei

… Marie taucht auf und freut sich über ihre New Rocks mit den schwarzen Lackflammen drauf… wir verbringen den Abend in der Gruppe quatschend draußen im Biergarten auf einer Bank…

mein Herz gebiert die Qual – ein allerletztes Mal

… erneut die Erinnerung, als ich eines Tages völlig fertig im Bruch auftauche, als mein Ersatzgroßvater gestorben ist und ich es einfach zuhause nicht aushalte – und sich plötzlich Leute um mich kümmern, die ich kaum kenne…

ein toter Musikant – spielt das stille Lied…

…ungezählte Abende ziehen vorbei, erst häufiger im Bruch, dann nach meinem Umzug eher im BiGa…

Gib mir mein Destillat – gib mir mein’ Alltagstod

… dann die schlagartig erschreckend leeren Räume, als das dämliche Rauchverbot eingeführt wurde – und wie sich der BiGa über lange Jahre hinweg wieder etwas davon erholt…

gib mir mein Gnadenbrot – zur Ewigkeit…

… und nun nach über zehn Jahren das Ende, plötzlich und – für mich – unerwartet.

 

 

 

… Cut.

 

 

 

Einige Zeit später am gleichen Abend.

Arne spielt Wreath of Barbs. Und ausnahmsweise, einmal, ist ein anderer DJ zur Stelle und paßt das Licht wirklich perfekt an. Die Lampen werden gedimmt, einige Strahler tauchen den Raum in nachtblaues Leuchten, und andere Lampen lassen tausende kleine Sterne erscheinen – überall, auf der Tanzfläche, auf der Säule, am Vorhang und an den Wänden… und die Sterne drehen sich langsam, schwingen vor und zurück, tanzen mit den Leuten im gemächlichen Takt der Musik…

Ich stehe da, stehe am Rand der Tanzfläche, stehe still und präge mir dieses Bild ein… und, ja, mir stehen Tränen in den Augen, zum wiederholten Mal an diesem Abend.

So will ich mich an den BiGa erinnern.

Auf ewig.

Das Lied ist aus. Wir verabschieden uns und gehen.

 

Leb wohl, alter Bunker. Danke.

RIP-BiGa

 

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Edit: die Bilder bei Fratzbuch von der Abschiedsparty Samstag sind überwältigend. Schön, daß Euch von jung bis grauhaarig so unglaublich viele die letzte Ehre gegeben, mit Euch gefeiert und – am Ende – getrauert und geweint haben.


Fast wie der Bruch in seinen besten Zeiten

Ha, mal eine neue Disco:

Das Gambrinus in Bad Homburg ist echt empfehlenswert. Sehr angenehme Musik, ein zumindest grober Dresscode, angemessen bepreiste und gute Getränke, und man kann seine Jacke entspannt aufs Sofa werfen und sie bleibt da – einfach weil alle es tun.

Der Meister fühlt sich… zuhause. Und das ist etwas, was zuletzt der Bruch hinbekommen hat – damals, vor langer Zeit…


c = g*t+h

Der Mensch strebt nach Konstanten im Leben, an denen er sich festhalten kann. Das kann alles möglich sein – beim Maschinisten ist eine davon die Disco… und die Leute da.

Man findet einen Laden, der einem genehm ist. Man kommt wieder, lernt allmählich Leute kennen, die kennen dann andere… ein paar kommen, ein paar gehen, aber einige bleiben mit einem. Man weiß: wenn ich da hingehe, dann bin ich nicht allein.

Man lernt die zukünftige Freundin kennen, wechselt vielleicht mal die bevorzugte Disco – aber die Bekannten sind auch da. So groß ist die "Szene" nicht.
Ein paar kommen dazu, andere gehen, einige wenige gehen für immer, unerwartet und schmerzhaft. Man gedenkt ihrer gemeinsam, bei einem Lied, einem Glas. Auf gute Freunde.

Langsam wird die Truppe kleiner, die jüngeren übernehmen. Aber ein harter Kern bleibt.

… und irgendwann, Jahre später, stellt man dann fest, das man für andere ebenso zu einer Konstanten geworden ist – selbst wenn die zwischendurch verschwunden waren. "Ihr seid noch hier? Ihr seid noch zusammen? Toll! Schön, Euch zu sehen!!"

Man bekommt, und man gibt. Ein kleiner ruhender Pol im ewigen Wandel. Danke dafür. Paßt auf Euch auf, Ihr Kinder der Nacht.